ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2008Aktuelle Diagnostik und Therapie der Spondylodiszitis: Weitere mögliche Erreger
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LNSLNS Die Liste der möglichen Erreger ist lückenhaft: Nach Verzehr von bestimmten Lebensmitteln, zum Beispiel Ziegen- oder Schafskäse, kann es zu einer systemischen Infektion mit Brucella melitensis kommen. Das retikuloendotheliale System von Milz, Leber und Knochenmark ist befallen, was nicht selten zur einer Absiedelung in den Wirbelkörpern führt. Die Reiseanamnese (Tropen, Sizilien, Türkei) bringt die ersten Verdachtsmomente. Die Kultur gelingt oft nicht nach routinemäßiger Bebrütung von nur 7 Tagen! Man kann jedoch im Serum Antikörper nachweisen. Diese Infektion erfordert eine gezielte, monatelange Therapie mit Doxycyclin, sonst kann diese Spondylodiszitis nicht geheilt werden.

Auch Salmonella enterica serovar Typhi und andere Salmonellen können bei einer systemischen Infektion auch eine Osteomyelitis und nachfolgend eine Spondylodiszitis induzieren. Auch hier kann die Serologie Hinweise erbringen. Die spezielle Therapie wäre in diesem Falle Ciprofloxacin.

Eikenella corrodens, Hämophilus aphrophilus und Pasteurella multocida können nach einer Bissverletzung, speziell nach Hundebissen, eine Osteomyelitis beziehungsweise Spondylodiszitis verursachen.

Der Begriff „Pilze“ ist zu vage. Beim Drogenabhängigen könnten zum Beispiel Candida-Arten die Erreger sein. Beim Tourist, der vom Besuch von Death Valley und Las Vegas zurückkommt, muss man an dimorphe Pilze wie Coccidioides immitis denken. Diese können mittels Serumantiköper nachgewiesen werden. Beim leukämischen Patienten könnten es sogar Schimmelpilze sein.

Was ist eine unspezifische Spondylodiszitis? Meinen die Autoren vielleicht eine ätiologisch ungeklärte Infektion?

Bei der Therapie wäre noch auf die gute Penetrationsfähigkeit von Fosfomycin hinzuweisen, gerade bei diesen schwer zu therapierenden Infektionen. Ob Clindamycin heute noch für eine kalkulierte Therapie taugt, muss man bezweifeln, da Resistenzen oft vorkommen, beispielsweise bei Staphylococcus aureus zu über 20 Prozent.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0674a

Prof. Dr. med. Herbert Hof
Institut für medizinische Mikrobiologieund Hygiene
Universitätsklinikum
68135 Mannheim

Interessenkonflikt
Der Autor erhielt Vortragshonorare von der Firma Bayer .

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