ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2008Atypika: Starke Gewichtszunahme bei Kindern Möglich

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Atypika: Starke Gewichtszunahme bei Kindern Möglich

Dtsch Arztebl 2008; 105(39): A-2010 / B-1730 / C-1690

Meyer, Rüdiger; Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Bislang gibt es nur wenige Studien, in denen die pharmakologische Behandlung von Kindern mit Schizophrenie vergleichend untersucht wurden. In einer der größten Studien, die neuere atypische Antipsychotika gegen ein älteres Medikament bei Kindern und Jugendlichen verglich, musste ein Studienarm wegen starker Gewichtszunahme und Stoffwechselstörungen vorzeitig beendet werden.

Einer Publikation im „American Journal of Psychiatry“ (online) zufolge waren die neueren Mittel dem konventionellen Neuroleptikum in der Wirksamkeit nicht überlegen. An der vom US-National Institute of Mental Health gesponserten Treatment of Early Onset Schizophrenia Study (TEOSS) beteiligten sich 116 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 19 Jahren, die eine Schizophrenie, eine schizophreniforme Erkrankung oder eine schizoaffektive Störung mit psychotischen Symptomen hatten. Sie erhielten acht Wochen entweder Olanzapin oder Risperidon oder das konventionelle Antipsychotikum Molindon (in Deutschland nicht auf dem Markt). Unter Molindon wurde zusätzlich ein Anticholinergikum gegen Tremor gegeben.

Raschere Wirkung von Atypika
Die Ansprechrate betrug 50 Prozent unter Molindon, 46 Prozent unter Risperidon und 34 Prozent unter Olanzapin. Die Atypika wirkten innerhalb der ersten beiden Wochen, Molindon ab der dritten Woche. Während die Kinder unter Molindon nicht zunahmen, stieg das Körpergewicht im Durchschnitt um 3,6 kg unter Risperidon und um sechs Kilogramm unter Olanzapin. Die Gewichtszunahme war mit einer Erhöhung von Cholesterin und Blutzucker assoziiert, deshalb wurde der Olanzapin-Arm 2006 gestoppt.

Der deutschen Leitlinie zufolge haben Atypika im Vergleich zu klassischen Neuroleptika eine höhere klinische Effektivität und ein günstigeres Profil unerwünschter Wirkungen. Sie gehören damit zu den Arzneimitteln der ersten Wahl, mit Ausnahme von Clozapin. „Die Medikation sollte individuell unter Einbeziehung klinischer Erfahrungen und empirischer Fakten erfolgen und die in der Familie bekannte Risikofaktoren berücksichtigen“, sagte die Kinder- und Jugendpsychiaterin Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex (Ulm) gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Über mögliche unerwünschte Effekte wie Gewichtsveränderungen sei im Vorfeld zu informieren. Die Eindosierung sollte behutsam erfolgen und unter engmaschiger Kontrolle von Wirksamkeit und möglichen unerwünschten Effekten. Bei nicht kontrollierbaren Heißhungerattacken gelte es, rasch zu reagieren. rme/nsi
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