ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2008Apothekertag: Bekenntnis zur Freiberuflichkeit

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Apothekertag: Bekenntnis zur Freiberuflichkeit

Schmidt, Klaus

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Kämpferisch: „Ärzte und Krankenhäuser sollen zusammen mehr als vier Milliarden Euro mehr Geld bekommen und wir nur mehr Arbeit – so nicht.“ ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf kritisierte die Folgen der Rabattverträge. Foto: Elke Hinkelbein
Kämpferisch: „Ärzte und Krankenhäuser sollen zusammen mehr als vier Milliarden Euro mehr Geld bekommen und wir nur mehr Arbeit – so nicht.“ ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf kritisierte die Folgen der Rabattverträge. Foto: Elke Hinkelbein
Bei ihrer diesjährigen Hauptversammlung am 18. und 19. September in München haben die Apotheker von der Politik Planungssicherheit und Stabilität eingefordert.

Besorgt schauen die Apotheker nach Brüssel. Es gehe nicht an, warnte der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände, Heinz-Günter Wolf, dass interessierte Kreise versuchten, über die Europäische Union (EU) die deutsche Arzneimittelversorgung zu amerikanisieren. Mit der Zulassung des Versandhandels habe die Bundesregierung einen neuen Vertriebsweg eröffnet, der in Konkurrenz zur herkömmlichen Präsenzapotheke mit Beratung stehe. Nun wird in den nächsten neun Monaten ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum bestehenden Fremdbesitzverbot erwartet. Nach einer – aus Sicht der Apotheker positiven – Entscheidung des EuGH von Anfang September zur Krankenhausbelieferung schöpft die ABDA wieder Zuversicht. Denn darin hat der EuGH das deutsche System der Arzneimittelversorgung bestätigt und dem Schutz der Gesundheit den Vorrang vor dem freien Warenverkehr eingeräumt.

Zu einem klaren Rechtsrahmen gehört laut Wolf auch, dass der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln auf das vom Europäischen Gerichtshof vorgegebene Maß zurückgeführt wird. Durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom März 2008, wonach Versandapotheken aus dem Ausland Abholstellen in Drogeriemärkten und ähnlichen Geschäften nutzen dürfen, um Rezepte zu sammeln oder Arzneimittel abzugeben, sei skurrilen Geschäftsmodellen jeder Art Tür und Tor geöffnet worden. Die ABDA spricht sich hier für eine Bundesratsinitiative der Länder Bayern und Sachsen aus, die dem einen Riegel vorschieben wollen.

Die Regierungskoalition sieht momentan jedoch keinen Handlungsbedarf, wie der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Klaus Theo Schröder, erkennen ließ. Die jetzige Regelung sei eine gute Basis für eine sichere Arzneimittelversorgung. Und angesichts eines Anteils von nur einem Prozent, den der Versandhandel am gesamten Arzneimittelumsatz habe, sei auch die Existenz der Präsenzapotheke nicht gefährdet. Um zu verhindern, dass Arzneimittelfälschungen über das Internet in Verbraucherhände gelangten, werde das Bundesgesundheitsministerium in Kürze ein elektronisches Siegel vorstellen, an dem die Verbraucher erkennen könnten, ob die Internetseite, auf der Arzneimittel angeboten würden, sicher sei.

Unterstützung fand der ABDA-Präsident bei der Eröffnungsveranstaltung in München dagegen durch eine ungewöhnliche Koalition: Sowohl Bayerns Ministerpräsident Dr. Günter Beckstein (CSU) als auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Klaus Ernst, setzten sich für die Forderungen der ABDA ein und lehnten den Fremd- und Mehrbesitz von Apotheken ebenso ab wie auch den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln.

Grund zur Klage gibt den Apothekern jedoch die Umsetzung der Rabattverträge zwischen Arzneimittelherstellern und Krankenkassen. Sie verursache erhebliche Mehrarbeit, die nicht bezahlt werde, meinte ABDA-Präsident Wolf und verlangte eine gerechte Entlohnung.

Die Apotheke, betonte Wolf, sei aber nicht nur der Platz, an dem kranke Menschen ihre Rezepte einlösten, sondern gesellschaftlicher Mittelpunkt mit öffentlichem Auftrag. Zwar sei die ABDA für eine klare Trennung der Zuständigkeiten zwischen Arzt und Apotheker, aber die erkennbare Unterversorgung mit Ärzten vor allem in ländlichen Regionen fordere Kooperation statt Abgrenzung. Ein erster Schritt könnte der Ausbau des Medikationsmanagements sein. Der Apotheker würde dann multimorbide Patienten nicht nur in der Apotheke versorgen, sondern auch zu Hause, im Heim, stationär oder in unterversorgten Gebieten. Dem entspreche bereits die neue Vereinbarung des Deutschen Apothekenvereins mit der Barmer Ersatzkasse über den Qualitätscheck für Versicherte mit Diabetes mellitus Typ II. Dabei erläutern Apotheker dem Patienten den Nutzen der Blutzuckerselbstkontrolle, führen die Blutzuckermessung durch, dokumentieren die Ergebnisse und erhalten dafür eine Vergütung.
Klaus Schmidt

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