ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1996ß-Sistosterin bei Patienten mit symptomatischer benigner Prostatahyperplasie

MEDIZIN: Referiert

ß-Sistosterin bei Patienten mit symptomatischer benigner Prostatahyperplasie

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LNSLNS Zu der medikamentösen Therapie der benignen Prostatahyperplasie stehen inzwischen eine Reihe von Präparaten zur Auswahl, unter anderem Alpha-Rezeptorenblocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer.
Präparate aus Pflanzenextrakten, für die ein definitiver Wirkmechanismus zumeist nicht bekannt ist, haben in diesem Zusammenhang in Europa eine weite Verbreitung gefunden.
In einer randomisierten doppelblinden plazebokontrollierten multizentrischen Studie wurden 200 Patienten mit symptomatischer benigner Prostatahyperplasie entweder mit ß-Sistosterin (einem Gemisch aus Phytosterolen) 20 Milligramm dreimal täglich oder Plazebo behandelt.
Das Studiendesign richtete sich nach den Empfehlungen der zweiten Internationalen Konsultation des Komittees für die Behandlung der benignen Prostatahyperplasie in Paris 1993. Die Zielkriterien waren entsprechend den Studien an Alpha-Rezeptorenblockern und 5-Alpha-Reduktasehemmern ausgewählt worden. In dem modifizierten Boyarski-Score konnte in der ß-Sitosterin-Gruppe eine signifikante Verbesserung verzeichnet werden. Das Score verbesserte sich unter der Behandlung mit ß-Sitosterin im Mittel um – 6,8 + – 4,0 Punkte (– 45 + – 26 Prozent) gegenüber – 2,1 + – 3,2 Punkten (14 + – 21 Prozent in der Plazebogruppe, alpha =0,05).
Das Ergebnis bestätigt die Wirksamkeit von ß-Sitosterin und konnte mit dem IPSS-Fragebogen bestätigt werden. Auch der Lebensqualitätsscore verbesserte sich bei der mit ß-Sitosterin behandelten Gruppe ebenfalls.
Uroflowuntersuchungen fielen unter ß-Sitosterin besser aus: Der maximale Harnfluß stieg im Mittel um 5,2 (4,9) Milliliter pro Sekunde gegenüber 1,1 (4,1) Milliliter pro Sekunde in der Plazebogruppe. Das Restharnvolumen verminderte sich unter ß-Sitosterin-Therapie um durchschnittlich 35,4 Milliliter gegenüber 11,6 Milliliter in der Plazebogruppe (p < 0,01).
Das Prostatavolumen verringerte sich im Mittel um 3,1 Milliliter in der mit ß-Sitosterin behandelten Gruppe gegenüber 0,3 Milliliter in der Plazebogruppe, womit es unwahrscheinlich erscheint, daß ß-Sitosterin einen substantiellen Einfluß auf das Volumen der Prostata besitzt.
Obwohl diese Studie nur relativ wenige Patienten beinhaltet und nur einen Zeitraum von sechs Monaten beurteilt, zeigt die erste Doppelblindstudie für ein pflanzliches Prostatapräparat Wirksamkeit nach internationalen Kriterien. In dem beurteilten Zeitraum ist ß-Sitosterin bei sehr guter Verträglichkeit hinsichtlich der Besserung der subjektiven als auch objektiven Symptomatik den Alpha-Blockern und Finasteriden gleichwertig. Die Autoren kommen zu der Feststellung, daß weitere Untersuchungen die spezifischen Wirkmechanismen von ß-Sitosterin untersuchen sollten, um diese den einzelnen Komponenten des Phytosterolgemisches zuordnen zu können. Ebenso sollten Langzeituntersuchungen mit ß-Sitosterin folgen. skl
Berges Rr, Windler J, Trampisch HJ, Senge Th and the ß-sitosterol study group: Randomised, placebocontrolled, double-blind clinical trial of ß-sitosterol in patients with benign prostatic hyperplasia. Lancet 1995; 345: 1529-32.
Dr. R. R. Berges, Klinik für Urologie, Ruhr-Universität of Bochum, Widumer Straße 8, 44627 Herne

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