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Rohstoffe: Hausse bei Gold und Weizen

Dtsch Arztebl 2008; 105(40): [24]

Jobst, Peter

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Foto: fotolia
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Die Lage hat sich zwar etwas beruhigt, dennoch herrscht an den internationalen Warenterminmärkten Hausselaune. Auch Anleger können davon profitieren.

Lange Zeit dümpelten die Preise vor sich hin: Rohstoffe waren wenig gefragt, produziert wurde oftmals deutlich mehr, als tatsächlich verbraucht werden konnte. Geändert hat sich die Lage vor nunmehr zwei Jahren. Die positive Konjunkturentwicklung, speziell aber der Wirtschaftsboom in China und Indien, hat die Nachfrage deutlich angeheizt. Innerhalb weniger Jahre ist beispielsweise China zum weltgrößten Verbraucher von Kohle, Eisenerz, Aluminium, Kupfer, Blei und Zink geworden. Der wachsende Wohlstand in der chinesischen Bevölkerung führt aber auch zu einer höheren Nachfrage nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln. Entsprechend sind etwa die Lagerbestände an Weizen inzwischen auf den niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre gesunken.

Unterstützt wurde der Nachfrageboom aber auch aus den westlichen Ländern, die im Agrarbereich jede freie Marktwirtschaft durch strenge Regulierungsmaßnahmen unterbunden haben. Sorgten zunächst umstrittene Kontingentvorgaben und Flächenstilllegungsprogramme für Unmut, setzt man heute auf Bioenergie. Wenn es jedoch für den Landwirt rentabler wird, seinen Weizen statt an die Mühle an ein Heizkraftwerk zu liefern, gerät der gesamte Kreislauf durcheinander. Als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnete unlängst der indische Finanzminister das Verarbeiten knapper Nahrungsmittel zu Treibstoff. „Tanken statt Essen“ dürfe auch in Zeiten steigender Benzinpreise keine Alternative darstellen.

Der weltweit steigenden Nachfrage steht ein immer knapperes Angebot gegenüber: Die letzte Hausse der meisten Rohstoffe liegt mehr als 20 Jahre zurück. Entsprechend gering war der Ehrgeiz der Produzenten beziehungsweise Förderer, neue Kapazitäten zu erschließen. Dies gilt insbesondere für die Metalle, aber auch für das Erdöl. Umfangreiche Ölquellen am Persischen Golf sind bislang immer noch nicht erschlossen worden.

Da es jedoch zwischen dem Fund und dem Beginn der Förderung bis zu zehn Jahre dauern kann, ist mit einer Entspannung in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, auch voreilige Jubelmeldungen gilt es oftmals zu relativieren. Als beispielsweise Brasilien über neu entdeckte Vorkommen berichtete, gab der Ölpreis sofort deutlich nach. Ob und wann jedoch gefördert werden kann, steht in den Sternen. Die Vorkommen liegen tief unter Salzfelsen, den dort herrschenden Temperaturen von mehreren Hundert Grad Celsius ist bisher jedoch noch kein Bohrgerät gewachsen.

Eine weitere bedeutende Rolle spielten schließlich Geldanleger. Bisher war es den privaten Anlegern kaum möglich, sich sinnvoll am Rohstoffmarkt zu engagieren. Mittlerweile ist jedoch eine Vielzahl von Produkten aufgelegt worden – von Fonds über Zertifikate bis hin zu den Exchange Traded Commodities. Zudem engagieren sich Hedgefonds nur allzu gerne in diesem Segment, das in manchen Phasen deutlich größere Preisschwankungen aufweist als zum Beispiel der Aktienmarkt.

Anlagemöglichkeiten auch für Privatanleger
Für Anleger sind Rohstoffprodukte damit durchaus interessant geworden, und dieser Trend dürfte in den kommenden Jahren weiter anhalten. Mit erheblichen Folgen für die Preise: Das „Manager-Magazin“ hat errechnet, dass in den kommenden Jahren bis zu fünf Prozent des Volumens der weltweiten Anlagegelder in die Bereiche Nahrungsmittel, Metalle und Energieträger fließen könnten. Dies entspricht einem Anstieg von aktuell 450 Milliarden US-Dollar auf rund zehn Billionen – eine unvorstellbare Summe, die in manchen Bereichen zu Preisexplosionen führen könnte.

Allerdings werden die Preise keineswegs gleichermaßen steigen. Vielmehr ist von sehr unterschiedlichen Entwicklungen auszugehen. Experten unterscheiden vorrangig vier „Rohstoffklassen“, in die Anleger investieren können:

- Edelmetalle – das heißt Gold, Silber, Platin oder Palladium – sind die wohl bekannteste Form der Geldanlage in Rohstoffe für private Investoren. Die Nachfrage, vor allem aus Asien, ist derzeit groß, allerdings herrscht auch industrieller Bedarf. Belastungen könnten sich jedoch im Fall einer konjunkturellen Abschwächung ergeben. Beim Gold kommt hinzu, dass einige Notenbanken ihre Bestände im Fall eines starken Preisanstiegs veräußern könnten und dies den Goldpreis belastet.
- Bunt- oder Nichteisenmetalle, etwa Kupfer, Blei, Nickel oder Zink, sind zwar weltweit in ausreichendem Maß vorhanden. Die hohe Nachfrage aus den Boomregionen Asiens, verbunden mit einer geringen Erschließung neuer Vorkommen in den vergangenen Jahren, dürfte aber auch nach der jüngsten Konsolidierung vorerst für ein weiterhin hohes Preisniveau sorgen.
- Energierohstoffe, wie Öl, Gas oder Kohle, sind angesichts der guten Konjunkturentwicklung gefragt wie noch nie. Die Preise dürften daher in absehbarer Zeit – von korrekturbedingten Ausnahmen abgesehen – kaum wesentlich nachgeben. Mittel- bis langfristig ist so lange mit Verteuerung zu rechnen, bis es hoffentlich gelingt, das Energieproblem in einer weltweit konzertierten Aktion zu lösen.
- Agrarrohstoffe stehen ebenfalls im Konflikt zwischen steigender Nachfrage sowohl aus der Nahrungsmittel- wie auch der Energiebranche und den rückläufigen Produktionsmengen. Die Anbauflächen lassen sich in vielen Regionen nicht mehr beliebig erweitern, sodass die Zeit des Überflusses hier vorbei sein dürfte. Preissteigerungen sind also zu erwarten, selbst wenn damit erheblicher sozialer Brennstoff verbunden ist. Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer, und die Regierungen sind gefordert, mit vorsichtigen Lenkungsmaßnahmen das Konfliktpotenzial in Grenzen zu halten.

In jedem Fall sollten Investments im Rohstoffsektor selektiv vorgenommen werden. Im Übrigen ist gerade hier keineswegs von kontinuierlichen Preissteigerungen auszugehen. Vielmehr kommt es bei vielen Produkten zu erheblichen Schwankungen, die sich nach der Hausse der vergangenen Jahre nochmals ausweiten könnten. Schon wenn sich ein größerer Hedgefonds zurückzieht, kann der Preis eines Rohstoffs um bis zu 15 Prozent nachgeben. Rohstoffe sind damit insbesondere für Langfristinvestoren interessant, die ihr Vermögen diversifizieren möchten. Sie eignen sich aber auch für Anleger, die den Preis von heute festschreiben wollen, etwa im Bereich des Rohöls: Wer hier zum Beispiel auf die neuen Exchange Traded Commodities setzt, kann seine Treibstoffkosten möglicherweise für mehrere Jahre „einfrieren“. Allerdings erleidet er Verluste, sollte sich das Rohöl in absehbarer Zeit verbilligen. Peter Jobst

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