SCHLUSSPUNKT

Ärzteschach: Ein fantastisches Matt

Dtsch Arztebl 2008; 105(40): [96]

Pfleger, Helmut

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Dr. med. Helmut Pfleger
Dr. med. Helmut Pfleger
Vom 14. Oktober bis zum 3. November spielen in der Bonner Bundeskunsthalle der Inder Viswanathan Anand und der Russe Wladimir Kramnik um die Weltmeisterschaft (Infos im Internet unter: www.uep-worldchess.com). Anand entthronte Ende letzten Jahres in Mexiko Kramnik, nachdem dieser seinerseits im Jahr 2000 Garry Kasparow den Titel abgenommen und diesen seitdem zweimal gegen den Ungarn Peter Leko und den Bulgaren Veselin Topalov verteidigt hatte. Der Ort des Geschehens ist nicht zufällig; Kramnik spielte dort nicht nur einen spannenden, letztlich vergeblichen Wettkampf gegen das führende Computerschachprogramm „Fritz“, sondern musste sich auch in einer Partie des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück erwehren, der als guter Amateur prächtig mithielt und fast ein Remis erreicht hätte. Steinbrück: „Das wäre besser als Minister gewesen.“ Langfristig zumindest weniger aufreibend.

Diese unangefochten besten Spieler der Welt haben aber beide auch starke Wurzeln in Deutschland. Kramnik fühlt sich in Dortmund seit vielen Jahren fast zu Hause, bereits siebenmal gewann er das dortige „Sparkassen Chess Meeting“ und ist dort oft bei seinem Manager Carsten Hensel. Ähnlich viel bedeuten Anand das „Mainz Chess Classic“, das stärkste und größte Schnellschachturnier der Welt, das er bisher immer gewann, und sein Freund Hans-Walter Schmitt. Er hat sogar eine Wohnung hier und spricht inzwischen schon sehr gut deutsch. Ob der freundliche und humorvolle Inder allerdings einen seiner ersten Sätze im Deutschen „Dem dreh’ ich den Hals um“ wahrmachen kann, sei dahingestellt. Schließlich weiß er nur zu gut um Kramniks Schachkunst (dies im wahrsten Sinne des Wortes, dem Sohn eines Bildhauers und einer Musiklehrerin ist der künstlerische Aspekt des Schachs besonders wichtig) und sagte einmal in grauer Vorzeit (bevor Kramnik Kasparow besiegte und damals seinen Lebenswandel revolutionierte): „Wenn Wladimir nicht mehr trinkt, ist er unschlagbar!“

Vermutlich werden Psychologie und Medizin entscheidend mitspielen, beispielsweise ob Kramnik in dieser Zeit keine neue Attacke „seiner“ Spondylitis ankylosans erleiden wird.

Im Frühjahr trafen die beiden bei einem Schnellschachturnier in Nizza aufeinander, wobei Anand als Schwarzer am Zug einen der schönsten Züge der Schachgeschichte aufs Brett zauberte.

Kramnik rechnete vermutlich nur mit 1. . . . Th1+ 2. Lxh1 Dh2+ 3. Kf1 Dxh1+ 4. Ke2 De4+ mit ewigem Schach, doch ein schwarzer „Bombenzug“, der auch den „Kombinazel“ Dr. med. Matias Jolowicz verzückte, führte unweigerlich zum Matt. Welcher?

Lösung:
Es war das Damenopfer 1. . . . Df3!, wonach das Matt durch Th1+ nicht mehr zu vereiteln war. Nach 2. cxb7+ Kf5 gab Kramnik auf, denn dem schwarzen König, mitten im freien Feld, ist nicht beizukommen, hingegen ist er nach 2. Lxf3 gxf3 3. b8D Th1 matt zwar um zwei Damen reicher, aber um einen König ärmer.
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