ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2008Normoglykämie senkt Mortalität noch Jahre später

AKTUELL: Akut

Normoglykämie senkt Mortalität noch Jahre später

Dtsch Arztebl 2008; 105(40): A-2068 / B-1776 / C-1736

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Eine gute Kontrolle des Blutzuckers hilft bei Typ-II-Diabetikern, Spätkomplikationen zu vermeiden. Die Vorteile hatten bei den Teilnehmern der United Kingdom Prospective Diabetes Study (UKPDS) nach dem Abschluss der zehnjährigen intensiven Behandlungsphase noch ein weiteres Jahrzehnt Bestand. Die Forscher sprechen von einem positiven Vermächtnis der früheren Therapie.

Im Rahmen der UKPDS wurden 4 209 Patienten mit Insulin beziehungsweise Sulfonylharnstoffen behandelt, eine kleinere Gruppe von Übergewichtigen mit Metformin. Zwar sank die Rate der Retinopathien (Mikroangiopathie) signifikant, nicht jedoch die der Herzinfarkte (Makroangiopathie). Nach dem Ende der zehnjährigen Therapie wurde allen Patienten zu einer intensiven Blutzuckersenkung geraten, was dazu führte, dass die Unterschiede zur Kontrollgruppe im HbA1c-Wert, der die langfristige Glucoseeinstellung anzeigt, bereits im ersten Jahr verschwanden. Trotzdem blieben die Vorteile der früheren Therapie erhalten, wie Rury Holman vom Oxford Centre for Diabetes im „New England Journal of Medicine“ (2008; doi: 10.1056/NEJMoa0806470) publiziert hat.

Reduktion des Herzinfarktrisikos Obwohl sich die Blutzuckereinstellung kaum unterschied, war die Rate der mikrovaskulären Komplikationen im früheren Sulfonylharnstoff/Insulin-Arm weiter um 24 Prozent niedriger als in der ehemaligen Kontrollgruppe, in der strenge Diät gehalten wurde. Hinzu kam eine jetzt signifikante Reduktion der Herzinfarktrate um 15 Prozent (p = 0,01) und eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit um 13 Prozent (p = 0,007). Diese Vorteile waren in der UKPDS selbst noch nicht erkennbar gewesen. Dass das Signifikanzniveau erst nach Abschluss der Therapiephase erreicht wurde, dürfte mit der steigenden Zahl der Ereignisse zusammenhängen, zu denen es infolge des zunehmenden Alters der Patienten kommt. In der Metformin-gruppe hielt die protektive Wirkung ebenfalls an. Die Zahl aller Diabetes bezogenen Endpunkte ging um 21 Prozent (p = 0,01) zurück. Beim Herzinfarkt wurde eine Reduktion um 33 Prozent (p = 0,005), bei der Gesamtsterblichkeit um 27 Prozent (p = 0,002) erzielt. Die neuen UKPDS-Daten stehen ganz in Gegensatz zu den Ergebnissen der Studien ACCORD, ADVANCE und VADT mit mehr als 23 000 Diabetikern, die trotz Annäherung des HbA1c-Werts auf Normalniveau keine präventive Wirkung auf makrovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erfuhren. rme
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