ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2008Qualitätssicherung: Krankenhäuser schaffen gemeinsame Plattform

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Qualitätssicherung: Krankenhäuser schaffen gemeinsame Plattform

Gerst, Thomas

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LNSLNS Die Nutzung von Routinedaten zur Qualitätssicherung gewinnt an Bedeutung. Die Verfügbarkeit der Daten treibt die Entwicklung voran.

Die Qualitätssicherung auf der Basis von Routinedaten voranbringen will die „Initiative Qualitätsmedizin“ (IQM), zu der sich sechs deutsche Krankenhausträger am 16. September in Potsdam zusammengeschlossen haben. Die Mitglieder verpflichten sich, in ihren Kliniken drei Grundsätze anzuwenden:
- Qualitätsmessung mit Abrechnungsdaten
- Veröffentlichung der Ergebnisse auf einer trägerübergreifenden Plattform und
- die Durchführung von „Peer-Review-Verfahren“.

Behandlungsprozesse mit auffälligen Ergebnissen sollen von internen und externen „Peers“ auf mögliche Fehler untersucht und gegebenenfalls verbessert werden. Die Ärztekammer Berlin konnte für die externe Begleitung der „Peer Reviews“ als Kooperationspartner gewonnen werden. „Die systematische Befassung mit dem Thema Qualitätssicherung in einer übergreifenden Plattform durch die ‚Initiative Qualitätsmedizin‘ ist sehr zu begrüßen. Der Ansatz, Routinedaten als Grundlage für die Qualitätssicherung zu nehmen, ist durchaus sinnvoll“, lobte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz, die Inititative der Krankenhausträger. Die Gründungsmitglieder – die Helios-Kliniken, die Medizinische Hochschule Hannover, die Berufsgenossenschaftlichen Kliniken, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, die SRH-Kliniken, die Malteser und die Johanniter GmbH – betreiben insgesamt 114 Krankenhäuser in Deutschland, in denen jährlich rund 1,1 Millionen Patienten behandelt werden.

Die IQM-Gründung erfolgte im Rahmen des Kongresses „Qualitätsmessung und Qualitätsmanagement mit Routinedaten“ (QMR) am 15. und 16. September in Potsdam. Veranstalter waren neben dem Universitätsspital Basel/Schweiz der AOK-Bundesverband und die Helios-Kliniken – Letztere hatten sich in den Jahren 2002 bis 2007 in einem gemeinsamen Projekt mit der Nutzung von Routinedaten bei der Qualitätssicherung befasst. „Kennzahlen auf der Basis von Routinedaten entwickeln sich zunehmend zu einem Hauptinstrument für die Qualitätsmessung“, betonte der Leiter der Abteilung Medizinische Entwicklung bei Helios, Dr. med. Thomas Mansky. Gerade das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen spreche für die Verwendung von Routinedaten. Mansky hält die Qualität der zu Abrechnungszwecken erhobenen Daten für besser als die zusätzlich erhobener Daten.

Transparenz ist keine Bedrohung
Seit September dieses Jahres stellt Helios einen Teil der intern erhobenen QMR-Daten für jedermann nutzbar ins Internet. Eine Erweiterung des Angebots sei vorgesehen. Noch sei der Zugriff Dritter auf die anfallenden Routinedaten in Deutschland zu restriktiv geregelt, kritisierte Mansky. „Die Verfügbarkeit der Daten treibt die Entwicklung voran. Ein intensiverer Qualitätswettbewerb, als wir ihn heute haben, wäre möglich.“ Auch die Umsetzung von „pay for performance“ würde dann in den Bereich des Realisierbaren rücken.

Ergebnisse sind aber nicht allein auf der Anbieterseite messbar. Die Krankenkassen können noch weiter gehen und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Daten Langzeitergebnisse in den Blick fassen. Der stellvertretende Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, Dr. Herbert Reichelt, verwies auf das Anrecht der Patienten, dass ihnen eine qualitativ gute Leistung geboten werde; genauso müssten sich Versicherer vergewissern können, dass sie eine dem Preis angemessene Leistung einkaufen. Zu guter Letzt hätten auch die guten Leistungserbringer ein Anrecht darauf, ihre gute Qualität mit anderen Leistungserbringern objektiv vergleichen zu lassen. „Transparenz ist keine Bedrohung, alle haben einen erheblichen Nutzen“, unterstrich Reichelt.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Christoph Fuchs, kann der Nutzung von Routinedaten zur Qualitätsgewinnung positive Aspekte abgewinnen. „Die Idee, Qualitätssicherung mit Routinedaten zu verbinden, ist plausibel. Kostenträger und Ärzteschaft ziehen hier am selben Strang“, hob er hervor. Er wies darauf hin, dass die Fortschritte der vergangenen Jahre bei der elektronischen Datenverarbeitung vieles erst ermöglicht hätten. Gleichwohl müsse man der Frage nachgehen, ob Routinedaten in der gleichen Weise über die Qualität der Versorgung Auskunft geben könnten wie solche Daten, die exklusiv zu diesem Zweck erhoben würden. Den Vergleichsmaßstab setze hier das Verfahren der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS). Fuchs: „Alle QS-Beteiligten sollten gemeinsam Verbesserungen anstreben. Letztlich ist es eine gesellschaftliche Entscheidung, wie viel wir in die Qualitätssicherung investieren wollen.“ Thomas Gerst
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