ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2008Piercing: Fashion Victim
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. . . Wichtig fanden wir in dem Artikel zu Komplikationen von Piercings den Hinweis, dass neben lokalen Infektionen, Verletzungen der arteriellen bzw. venösen sowie nervalen Versorgung auch lokale Abszesse auftreten. Letztere können zu einer Bakteriämie und Endokarditis führen. Ergänzen möchten wir den Beitrag durch den Bericht über eine 49-jährige Patientin aus unserer Klinik. Die Patientin hatte sich mit neu aufgetretenen, teils unilateralen, teils biparietalen, seit zwei bis drei Wochen bestehenden Kopfschmerzen sowie Flimmerskotomen und einer Gesichtsfeldeinschränkung nach rechts unten vorgestellt. Die Gesichtsfeldeinschränkung ließ sich in der perimetrischen Untersuchung gut reproduzieren. In der klinischen Untersuchung fiel ein raues Systolikum über der Mitralklappe auf. In der kranialen Bildgebung mittels CCT und cMRT zeigten sich zum einen mehrere kleinere embolische Hirninfarkte im Bereich beider Arteria cerebri media sowie ein Hirninfarkt im Bereich der A. cerebri posterior links als auch ein Hirnabszess im Bereich des Okzipitallappens links. Das Echokardiogramm offenbarte eine endokarditische Vegetation an der Mitralklappe. Als Keim konnte Staphylococcus epidermidis identifiziert werden. Bei der Suche nach der Eintrittspforte zeigte sich ein abszediertes Piercing des Bauchnabels. Nach Aussage der Patientin sei dieser schon länger infiziert und produziere putrides Sekret. Unter antibiotischer Therapie bildeten sich Hirn- und Bauchnabelabszess sowie die endokarditische Klappenvegetation vollständig zurück. Die Gesichtsfeldeinschränkung blieb bestehen. Piercings können weitreichende, ja lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen. Eine Einführung und Überwachung von Qualitätsstandards in Piercingstudios und verpflichtende Laienaufklärung zur Pflege von Piercings können schweren gesundheitlichen Folgen vorbeugen. Die Patientin hat ihr Bauchnabelpiercing nicht wieder angesteckt.
Dr. med. Christian H. Nolte, Joachim Weber, Neurologische Klinik der Charité, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
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