ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2008Aus dem Archiv des Deutschen Ärzteblattes: Der Eid des Hippokrates

KULTUR

Aus dem Archiv des Deutschen Ärzteblattes: Der Eid des Hippokrates

Dtsch Arztebl 2008; 105(40): A-2113 / B-1811 / C-1771

Kraft, Hartmut

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Es ist ein „typischer Kagel“, der im Jahr 1984 vertonte Eid des Hippokrates. Auch im Radio wurde das Klavierstück „zu drei Händen“ gesendet.
Es ist ein „typischer Kagel“, der im Jahr 1984 vertonte Eid des Hippokrates. Auch im Radio wurde das Klavierstück „zu drei Händen“ gesendet.
Eine Erinnerung an Mauricio Kagel (24. Dezember 1931 bis 18. September 2008)

Ob Rollerratsche, Flipperkasten oder Prallkugeldosenbrett – die Liste der von Mauricio Kagel erfundenen Instrumente ist lang. Auch die Vielzahl seiner Bühnen-, Instrumental- und Vokalwerke zeigt uns ein ebenso umfangreiches wie vielschichtiges Œuvre, das zudem auch noch in die Bereiche des Films und des Hörspiels hineinreicht. Nach schwerer Krankheit ist Mauricio Kagel am 18. September in Köln gestorben. In dieser Stadt lebte der 1931 in Buenos Aires geborene Künstler seit 1957. Er kam mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und begann – unter anderem zusammen mit Karl-Heinz Stockhausen – im Studio für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks zu arbeiten. Von der seriellen Musik ausgehend, passte der innovative Querdenker mit seiner anarchischen Spiellust aber schon bald in keine Schublade. Seiner von Humor und intellektueller Wendigkeit unterstützten Fantasie waren keine Kunstgrenzen gesetzt. Er machte Musik auf eine ganz neue Weise nicht nur hör-, sondern auch sichtbar.

Auf eines seiner Werke sei besonders hingewiesen: „Der Eid des Hippokrates – für Klavier zu drei Händen“. Es handelt sich um eine Auftragsarbeit für die Leser des Deutschen Ärzteblattes. Zu Beginn der 80er-Jahre, als die Kulturberichte in dieser Zeitschrift oft sechs Seiten (!) umfassten, wollte die Redaktion nicht nur über Kultur berichten, sondern sich auch an deren Gestaltung beteiligen. Als ständiger Mitarbeiter schlug der Autor dem damaligen Chefredakteur Ernst Roemer deshalb vor, einen Kompositionsauftrag an Mauricio Kagel zu vergeben. Der Vorschlag wurde in der Redaktion sogleich aufgegriffen und 1 000 DM wurden als Honorar bewilligt. Der Komponist war sofort einverstanden. Als Thema schlug er eine Vertonung des Eids des Hippokrates vor. Er bekam freie Hand für seine Arbeit. Die einzige Bedingung lautete, dass die Erstpublikation im Deutschen Ärzteblatt erfolgen müsse. Dies geschah in Heft 18/1984. Die kritische Würdigung übernahm der Musikwissenschaftler Werner Klüppelholz. Kurze Zeit später wurde das Klavierstück „zu drei Händen“ im Radio gesendet. Wer es sehen und hören möchte, hat auf www.youtube.com Gelegenheit dazu. Es ist ein „typischer Kagel“, weil neben dem Klavierspiel auch Klopfgeräusche und ein Spielen mit der Hand des Mitspielers zu beobachten sind. Dass dieses Klavierstück im Auftrag des Deutschen Ärzteblattes entstanden ist, wird im Werkverzeichnis wie auch bei Aufführungen ausdrücklich genannt. Der Tod des unermüdlichen Komponisten ist Anlass genug, sich des kleinen Werks und seiner Entstehungsgeschichte zu erinnern – und die Noten noch einmal zu publizieren: eine Hommage an den großen Komponisten, Lehrer, An- und Aufreger der weltweiten Musikszene seit gut 50 Jahren.
Dr. med. Hartmut Kraft

Die komplette Partitur unter: www.aerzteblatt.de/plus4008
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