SUPPLEMENT: Reisemagazin

Great Barrier Reef: (Unter)tauchen im Paradies

Dtsch Arztebl 2008; 105(41): [12]

Sobik, Helge

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LNSLNS Fische in allen nur erdenklichen Farben streifen durch Korallenwälder. Das Tor zum größten Riff der Welt sind die Whitsunday Islands vor der Ostküste Australiens.

Foto: fotolia
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Harvey aus Airlie Beach hat den besten Job hier: den ganzen Tag nur staunende Augen und freudige Gesichter um sich herum, den ganzen Tag nur begeisterte „Ahs“ und „Ohs“ seiner Passagiere über das Mikrofon am Kopfhörer, ab und zu ein paar Fragen und die Bitte, doch unbedingt noch eine Extraschleife zu fliegen. Linkshänder Harvey rückt dann die Sonnenbrille zurecht, drückt die Sprechtaste und sagt „sure – klar“ ins Mikro. Er greift ins Ruder, geht erst in 60-Grad-Schräglage und dann in den Tiefflug über: Auftakt zu einer Extrarunde mit dem Helikopter über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt vor den Whitsunday-Inseln der ostaustralischen Provinz Queensland. Smaragdgrün schimmert das Wasser 30 Meter unter der Glaskanzel des Hubschraubers, darin gelb, blau, rot oder tiefgrün die Korallen – der Flug wie ein Himmelsritt auf dem Regenbogen. 350 verschiedene Korallenarten leben hier, dazu 1 500 Fisch- und 4 000 Weichtierarten.

Zehn-, zwölfmal am Tag startet Harvey zu seinen 15-Minuten-Rundflügen von der „Reefworld“-Besucherplattform zwei Bootsstunden vor den Whitsundays aus. In dem bunt mit Unterwasserszenen bemalten „Helireef“-Hubschrauber haben vier Passagiere Platz. An diesem Mittag ist der Blick aus den Plexiglasfenstern besonders eindrucksvoll: „Ihr habt Glück“, sagt Harvey. „Die Ebbe hier ist selten so extrem wie heute. Es kommt nicht oft vor, dass die oberste Schicht der Korallen aus dem Wasser ragt. Beautyful view! Das achte Weltwunder!“ Er strahlt und muss die Konversation kurz für Funkverkehr mit der Basis unterbrechen.

Himmelsritt auf dem Regenbogen: Bis zu zwölfmal täglich startet der Helikopter zum Flug über das Riff.
Himmelsritt auf dem Regenbogen: Bis zu zwölfmal täglich startet der Helikopter zum Flug über das Riff.
Das in 20 Millionen Jahren gewachsene Barrier Reef erstreckt sich auf einer Länge von 2 000 Kilometern von Papua-Neuguinea bis hinunter nach Fraser Island vor der australischen Küste und nimmt dabei eine Fläche von gut 345 000 Quadratkilometern ein. Das entspricht fast exakt dem Territorium des wiedervereinigten Deutschlands. Dabei ist das Riff zwischen 30 und 250 Kilometer vom Festland entfernt. Nur wenige ausgewiesene Stellen sind für Tagesbesucher, für Taucher und Schnorchler ungehindert zugänglich. Mittlerweile sind die Korallenbänke von der UNESCO als „Weltkulturerbe“ unter besonderen Schutz gestellt worden.

Tête-á-tête mit den Fischen: Schnorchler gleiten von der Reefworld-Plattform ins 28 °C warme Wasser
Tête-á-tête mit den Fischen: Schnorchler gleiten von der Reefworld-Plattform ins 28 °C warme Wasser
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Unter uns gleitet das Außenriff hinweg. Zwischen den Korallenbänken sind Segelboote, Ausflugsschiffe voller Urlauber und rund um die Reefworld-Plattform auch Schnorchler unterwegs. Ein Paradies in sensiblem Gleichgewicht. Harvey setzt zur Landung auf der Hubschrauber-Plattform „Hardy Reef“ an: Strahlende Gesichter verabschieden sich von ihm, erwartungsfrohe Blicke der nächsten Fluggäste empfangen ihn.

Beliebteste Ferienregion Australiens: Auf den Whitsunday Islands ist der Alltag schnell vergessen. Wallabies – am Strand so selbstverständlich wie die Kaninchen im heimischen Gemüsegarten Foto: dpa Fotos: Helge Sobik
Beliebteste Ferienregion Australiens: Auf den Whitsunday Islands ist der Alltag schnell vergessen. Wallabies – am Strand so selbstverständlich wie die Kaninchen im heimischen Gemüsegarten Foto: dpa Fotos: Helge Sobik
Wer die Korallenwelt von unten sehen will, steckt sich das Gummimundstück mit Plastikschlauch in den Mund und gleitet hinab ins 28 Grad Celsius warme Wasser zum Tête-à-tête mit Papageifischen, mit Mantarochen und zahllosen Artverwandten: Fische in allen nur erdenklichen Farben, Schattierungen und Mustern streifen wie in einer grandiosen Choreografie durch die Korallenwälder. Sie umstreichen die Beine der Taucher im kristallklaren Wasser. Wer dagegen lieber nicht nass werden will, steigt ein paar Stufen hinab ins verglaste Unterdeck der Plattform und staunt den Riffbewohnern durch dicke Scheiben aus dem Trockenen entgegen.

Wallabies – am Strand so selbstverständlich wie die Kaninchen im heimischen Gemüsegarten. Foto: dpa
Wallabies – am Strand so selbstverständlich wie die Kaninchen im heimischen Gemüsegarten. Foto: dpa
Die Whitsunday-Inseln sind das Tor zum Great Barrier Reef und obendrein beliebteste Ferienregion der Australier selbst – insgesamt 74 Eilande, von denen die meisten zu Nationalparks erklärt worden sind. Meer und Strände bestimmen das Tagesprogramm: sonnenbaden, surfen, segeln, schnorcheln, tauchen. Oder schlicht faulenzen im Liegestuhl mit Cocktail in der Hand und gutem Buch auf dem Schoß, mit Blick auf die sanften Wellen des Südpazifiks, auf vorbeirauschende Katamaran-Wassertaxen und stolze Segeljachten. Eine der (Hotel-)Inseln heißt fast folgerichtig Daydream Island. Der Name ist Programm für die gesamten Whitsundays („Pfingstinseln“), die Captain James Cook an Pfingsten 1770 entdeckt hat: in Tagträumen versinken, den Alltag vergessen, Urlaub zum Abschalten am anderen Ende der Welt – über 20 Flugstunden von der nasskalten Heimat entfernt.

Am späten Nachmittag rappelt es für einen kurzen Moment am stahlblauen Himmel. Harvey donnert mit seinem Helikopter über die Inseln hinweg – Feierabend für ihn, Rückflug mit 180 Stundenkilometern von der vorgelagerten Plattform zur Basis auf dem Festland. Luxusverwöhnte Jetsetter zieht es nach Hayman – (vier Quadratkilometer groß), Familien nach Daydream – (nur zehn Hektar) und nach Hamilton – (sechs Quadratkilometer), Cluburlauber nach Lindeman-Island (acht Quadratkilometer).

Und kommen noch so viele Fremde: Die Wallabies auf Daydream Island lassen sich davon nicht allzu sehr irritieren. In der Abenddämmerung kommen diese „kleineren Geschwister“ der Kängurus aus ihren Verstecken im Unterholz des Inselwäldchens hervor, hüpfen keck über die Klippen, über den Strand, über Pfade ganz nah beim Hotel, halten inne, sobald sie sich beobachtet fühlen, lassen niemanden allzu nahe kommen und verschwinden im Zweifel dann doch lieber wieder im Dickicht, wo sie wahrscheinlich gemeinsam mit den Leguanen über die Hotelgäste auf „ihrer“ Insel lästern. Wallabies sind auf allen Whitsunday-Inseln zu Hause und dort so selbstverständlich wie bei uns die Kaninchen im heimischen Gemüsegarten. Und Kakadus sind so originell wie Saatkrähen oder wie die Tauben in Venedig. Fremde Welt am anderen Ende des Globus: (unter)tauchen im Paradies, das bereits oberhalb der Wasserlinie beginnt. Helge Sobik


Informationen: Tourism Queensland, Sonnenstraße 9,
80331 München, Telefon: 0 89/23 17 71 77,
www.queensland-europe.com; www.australia.com.

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