ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2008Zehn Jahre Psychotherapeutengesetz: Schon viel erreicht

EDITORIAL

Zehn Jahre Psychotherapeutengesetz: Schon viel erreicht

PP 7, Ausgabe Oktober 2008, Seite 433

Bühring, Petra

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LNSLNS Warum nicht mal eine Bilanz ein paar Monate vor dem eigentlichen Termin ziehen? Am 1. Januar kommenden Jahres ist das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) zehn Jahre in Kraft. Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung – ein Berufsverband, der sich mit dem PsychThG kontinuierlich weiterentwickelt hat und dessen Vorsitzende berufspolitisch Einfluss nehmen – tagt regelmäßig im Herbst in Berlin. Das Thema lag nahe.

Tatsächlich hat sich durch das PsychThG in der psychotherapeutischen Versorgung einiges verbessert: Das für Patienten und Therapeuten unwürdige Delegationsverfahren durch einen Arzt wurde abgeschafft. Patienten, die einen Therapeuten aufsuchten, konnten vor Inkrafttreten des Gesetzes nie sicher sein, ob ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt. Die Qualifikationsvoraussetzungen für Psychotherapeuten waren nicht einheitlich geregelt; entsprechend war auch für die Patienten nicht unbedingt transparent, was ein Therapeut konnte. Es gab kein einheitliches Berufsrecht, keine Berufsordnung, keine Fortbildungsverpflichtung, weil es auch noch keine Kammern gab. Mit der rasanten Professionalisierung der Psychotherapeutenschaft hat sich das Ansehen des Berufs in der Öffentlichkeit gewandelt – auch bei den Ärzten. „Es gibt eine größere Akzeptanz von Psychotherapie vor allem bei Hausärzten, in der Regel erfolgt die Überweisung problemlos“, betont zum Beispiel Dieter Best, Vorsitzender der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung.

Als „weitgehend gelungen“ bezeichnete der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Köhler, die Integration der Psychotherapeuten bei der Jahrestagung. Vollständig sei sie für ihn allerdings erst „an dem Tag, an dem ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten an einem Strang ziehen“. Köhler zeigte sich beeindruckt von der enormen Entwicklungsfähigkeit der Psychotherapeuten: „Ich kenne keine Gruppe, die in so kurzer Zeit solch eine Lernkurve hatte.“

Dennoch: Viele Probleme liegen in der Zukunft, wenngleich die seit zehn Jahren andauernden Klagen über die schlechte Honorierung psychotherapeutischer Leistungen mit der Honorarreform 2009 erst einmal beendet sein sollten. Es wird eine bundesweit einheitliche Vergütung geben, die in vielen KV-Bereichen, vor allem im Osten, zu höheren Honoraren führt (siehe Seite 440). Künftig soll es nach Vorstellung der KBV zudem einen eigenen Versorgungsbereich Psychotherapie geben sowie einen eigenen Topf für psychotherapeutische Leistungen.

Noch nicht gelöst ist die ungleiche Versorgung mit Psychotherapie auf dem Land und in der Stadt, im Westen und Osten – besonders im Hinblick auf die Zunahme psychischer Erkrankungen. Die gegenwärtige Bedarfsplanung ist nicht am realen Bedarf der Bevölkerung ausgerichtet, zur Versorgungssteuerung ungeeignet. Auch KBV-Chef Köhler weiß das: „Wir brauchen ein anderes Modell.“ Die KBV arbeitet bereits daran. Unverständlich ist in diesem Zusammenhang die Forderung der Bundesregierung und auch der KBV nach einer nur zehnprozentigen Mindestquote für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (siehe Seite 439). Schon jetzt beträgt deren Anteil an der Versorgung 13,6 Prozent bei gleichzeitiger dramatischer Unterversorgung psychisch kranker Kinder. Eine Mindestquote von 20 Prozent fordern daher die Bundes­psycho­therapeuten­kammer und die Berufsverbände. Das sollte uns das Wohl der nachwachsenden Generation eigentlich wert sein.
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