ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2008Aufbruch 1968 – 40 Jahre später: Ferdinand Spindel – Vom Altern des Neuen

KUNST + PSYCHE

Aufbruch 1968 – 40 Jahre später: Ferdinand Spindel – Vom Altern des Neuen

PP 7, Ausgabe Oktober 2008, Seite 434

Kraft, Hartmut

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LNSLNS In den 60er- (und beginnenden 70er-)Jahren des vorigen Jahrhunderts beherrschten in rascher Folge Pop-Art, Op-Art, Land Art, Minimal Art, Concept Art, Nouveau Réalisme und andere Stilrichtungen die öffentlichen Diskussionen in den bildenden Künsten. Auch neue Materialien und neue (Druck-)Techniken wurden von den Künstlern aufgegriffen. In Anlehnung an vereinzelte künstlerische Versuche zu Beginn des Jahrhunderts entstanden kinetische Kunstwerke, die mit und ohne Motoren Bewegung in die Kunst brachten, neben Werken, welche künstliches Licht und neue Materialien wie Kunststoffe für die künstlerische Arbeit fruchtbar machten. In diesem Zusammenhang ist bereits auf die Arbeiten von Ferdinand Spindel hingewiesen worden (PP, Heft 6/2007). In den hier gezeigten Leuchtkästen ist Spindel über die für ihn typischen und innovativen Arbeiten mit Schaumstoff hinausgegangen. Es hat den Anschein, als sei die Oberfläche eines seiner Schaumstoffreliefs abgeformt und in verschiedenen Farben in Plexiglas gegossen oder gepresst worden. Diese durchscheinenden Kunststoffplatten konnten von Spindel nun zu Leuchtkästen weiterverarbeitet werden. Aus heutiger Sicht mit dem Wissen um Halogenlampen und Leuchtdioden erscheinen die technischen Möglichkeiten vor vierzig Jahren geradezu rührend schlicht: Im Inneren der Kästen befindet sich eine 15-Watt- Glühlampe, deren Vorderseite mit schwarzer Farbe angemalt ist, um die Leuchtkraft zu reduzieren. Erst diese Minderung der Leuchtstärke lässt die Struktur des Plexiglasreliefs in Erscheinung treten. Verglichen mit lichtstarken Objekten in der Kunst und Werbung von heute, erscheinen diese Leuchtkästen lediglich zu glimmen. Sie drängen sich nicht auf, sie verweisen stattdessen auf die Faszination der ersten tastenden Versuche mit neuen Materialien und Techniken. In unserer Zeit der Diskussionen um die Energieprobleme der Welt und um die Abbaubarkeit und/oder das Recycling von Kunststoffen mögen diese Kästen nach vierzig Jahren auf manche Betrachter wie Zeugen aus einer sehr fernen Zeit wirken. Hartmut Kraft

Biografie Ferdinand Spindel
Geboren 1913 in Essen. Ausbildung als Gebrauchsgrafiker an der Folkwangschule, als Maler Autodidakt. 1963 Entdeckung des Schaumstoffs als künstlerisches Material, seit diesem Jahr auch Mitglied der Künstlersiedlung Halfmannshof in Gelsenkirchen, dort Organisation zahlreicher Ausstellungen (unter anderem „ZERO“). 1964 und 1971 Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen, 1972 Konrad-von-Soest-Preis. Gestorben 1980 in Neuenkirchen bei Soltau.

Literatur
Spindel F: Ferdinand Spindel. Städtische Galerie im Museum Folkwang, Essen 1986.
Spindel F: Schaumstoffobjekte, Schaumstoffboxen, Schaumstofflabyrinth. Gegenverkehr e.V., Aachen 1971.
Spindel F: Ferdinand Spindel – Eine Retrospektive. Städtisches Museum Gelsenkirchen, Gelsenkirchen 1993.
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