ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2008China: Ohne roten Briefumschlag
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Der Artikel von Dr. Ole Döring kann nicht unwidersprochen bleiben. Ich selbst war im Jahre 2000 sechs Wochen mit F-Visum (Arbeitsvisum) an der neurologischen Universitätsklinik in Beijing tätig. Ich glaube daher einen, wenn auch unvollkommenen, aber tiefen Einblick in das chinesische Gesundheitswesen bekommen zu haben. Einer der wesentlichen Unterschiede zum deutschen Gesundheitswesen ist eine extrem schlanke Bürokratie. Administrative Aufgaben werden vom Hilfspersonal übernommen, sodass sich der Arzt seiner eigentlichen Aufgabe widmen kann. Diese besteht zu einem großen Anteil aus präventiven Aufgaben, im Gegensatz zu Deutschland, wo es eben keine Gesundheitskassen, sondern Krankenkassen gibt. Diese Prävention hat in China eine lange Tradition, die schon in den Schriften des „Gelben Kaisers“ beschrieben ist. Solange die Bevölkerung gesund war, erhielt der Arzt ein gutes Einkommen, wurde die Bevölkerung krank, erhielt er keine Vergütung. Abgesehen davon, dass ich in China hoch motivierte und engagierte Kolleginnen und Kollegen kennengelernt habe, ist mir kein einziger Fall der Übergabe eines roten Briefumschlags mit Schmiergeld aufgefallen. Sicherlich ist das chinesische Gesundheitswesen noch entwicklungsbedürftig, doch sollte man einmal bedenken, welch enorme organisatorische Leistung dahintersteht, einem 1,2 Milliardenvolk eine durchaus veritable gesundheitliche Versorgung zukommen zu lassen. Daher kann ich die vom Verfasser beobachtete „Erosion des Vertrauens“ in die Medizin in China nicht feststellen.
Oec. med. Dr. med. Wolfgang Ermes,
Vorm Kleekamp 4–6, Beth Maimonides,
58840 Plettenberg
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