ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2008Arzneimittelausgaben: Über dem finanziellen Abgrund balancieren

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Arzneimittelausgaben: Über dem finanziellen Abgrund balancieren

Dtsch Arztebl 2008; 105(41): A-2157 / B-1853 / C-1806

Czakanski, Claus

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Der Artikel, verfasst vom Vorstandsmitglied der KBV, Dr. med. Carl-Heinz Müller, bringt auf sehr lobenswerte Weise eine zwingend notwendige Forderung aller in der potenziellen Regressfalle sich befindenden niedergelassenen Ärzte zum Ausdruck. Allerdings bewegt sich die zum Schluss geäußerte Einschätzung, dass mit einem solchen „Gesamtansatz . . . ein wichtiger Schritt getan wäre, um dem Arztberuf wieder zu mehr Attraktivität zu verhelfen“, anscheinend ganz am anderen Ende der emotionellen Skala, auf der sich zurzeit niedergelassene Ärzte befinden, die unter der Existenzbedrohung einer unbegrenzten Arzneimittelhaftung stehen. Wenn der Arzt einen Arzneimittelregress bezahlen muss, zahlt er nicht nur die überhängigen Medikamentenkosten seiner Patienten, sondern hilft auch indirekt, die Erträge und Gewinne der Pharmakonzerne mitzufinanzieren. Sehr edel, dass in Deutschland, vermutlich dem einzigen Land der Erde, die Ärzte mit ihrem Einkommen die Pharmakonzerne unterstützen dürfen, damit diese nicht finanziell in Not geraten; schließlich sind Ärzte und Pharmakonzerne finanziell nahezu gleich starke Partner. Der Arzt kann ja bekanntlich sein Honorar genauso souverän und frei planen wie das Pharmaunternehmen seine Gewinnmargen. Sicherlich denken die Preisgestalter in den Chefetagen manchmal etwas mitleidig und bedauernd an ihre armen Verordner draußen, wenn diese unter Regress- und Existenzangst Rezepte ausstellen müssen, deren in ihrer Höhe nicht genau bekannte Folgekosten sich zum finanziellen Ruin des Arztes aufsummieren können . . . Eine Maximalbegrenzung des Regresses zu verlangen, die sich prozentual am ärztlichen Einkommen orientiert und nicht am fachgebietsabhängigen, vom Arzt kaum zu kontrollierenden Verordnungsvolumen, würde der ärztlichen Tätigkeit einfach die prickelnde Spannung nehmen, die das ungesicherte Balancieren über dem Abgrund des kompletten finanziellen Ruins erzeugt . . .
Dr. med. Claus Czakanski,
Niederräder Landstraße 64,
60528 Frankfurt am Main
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