ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2008Internetportale: Schutz persönlicher Daten oft mangelhaft

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Internetportale: Schutz persönlicher Daten oft mangelhaft

Dtsch Arztebl 2008; 105(41): A-2161 / B-1857

Krüger-Brand, Heike E.

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Foto: iStockphoto
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Immer mehr Menschen nutzen soziale Netzwerke und pflegen ihre Kontakte mittels Internetplattformen, in denen sie Persönlichkeitsprofile anlegen. Diese Social-Networking-Plattformen verlangen von ihren Nutzern bei der Registrierung viele private Daten, bieten aber nur wenig Möglichkeiten, diese persönlichen Informationen vor ungewollten Zugriffen zu schützen. So lautet das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt, das die beliebtesten Internetplattformen zur privaten und geschäftlichen Kontaktpflege untersucht hat. „Von den getesteten Plattformen konnte keine vollständig überzeugen“, sagte Studienautor Andreas Poller. „Von der Nutzung mancher Dienstfunktionen ist sogar abzuraten, weil die Zugriffskontrollen teilweise nicht funktionieren oder ganz fehlen.“ Die Studie ist online unter www.sit.fraun hofer.de abrufbar. Zusätzlich enthält sie auch Ratschläge, wie man seine persönlichen Daten in den Plattformen am besten schützen kann.

Getestet wurden die Plattformen „facebook“, „studiVZ“, „myspace“, „wer-kennt-wen“, „lokalisten“ sowie die geschäftlich orientierten Plattformen „XING“ und „LinkedIn“. Unter den Plattformen für den privaten Gebrauch erzielte „facebook“ das beste Ergebnis, wenngleich selbst dieses Portal erhebliche Schwächen offenbarte. Am schlechtesten kamen die „lokalisten“ weg. Von den zwei getesteten Geschäftsplattformen bietet „LinkedIn“ bessere Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre als „XING“: So ermöglicht es eingeschränkt die Nutzung eines Pseudonyms, auch lassen sich sowohl der Account leichter kündigen als auch die persönlichen Daten besser entfernen.

Neben der Wirksamkeit der Zugriffskontrolle und deren Steuerungsmöglichkeit wurden auch die Standardkonfiguration der jeweiligen Plattform sowie deren Verschlüsselungsmöglichkeiten bewertet. „Keine Plattform konnte in allen Bereichen überzeugen, andererseits konnten wir für fast jeden Bereich einen Vertreter finden, der ausreichenden Schutz bietet“, so Poller. „Wenn man die Schutzmöglichkeiten der getesteten Angebote kombinieren würde, wäre das Ideal erreicht, aber die Plattformen scheinen kein durchgängiges Konzept zum Schutz der Privatsphäre zu verfolgen.“

Die Tester meldeten sich als Normalnutzer an, um die Einstellungsmöglichkeiten zu testen. Anschließend schlüpften sie in die Rolle des Angreifers und prüften die Wirksamkeit der Konfiguration, indem sie versuchten, an persönliche Daten aus selbsterstellten Profilen zu gelangen. Mit speziellen Suchmaschinen kamen sie zum Beispiel in den Besitz geschützter Bilder, obwohl diese nicht für die Öffentlichkeit freigegeben waren. Auch die politische Orientierung oder der Familienstatus ließ sich trotz Sperrung der Daten ermitteln, und selbst nach Aufgabe der Mitgliedschaft blieben bei einer Plattform die persönlichen Gästebuch- und Foreneinträge bestehen.

Ziel der Studie ist es, ein erstes Rahmenwerk für die Beurteilung des Privatsphärenschutzes von Plattformen zur Pflege sozialer Netzwerke aufzustellen, das als Grundlage für die weiterführende Evaluierung dienen kann. KBr
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