ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2008Praxisverkäufe: Verlust ausgleichen
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LNSLNS Der Tenor des Beitrags, hohe Verkaufspreise von Psychotherapie-Praxissitzen seien unmoralisch, würden gegen „die guten Sitten sowie gegen das Gebot des kollegialen Umgangs miteinander“ verstoßen, ist eine „Nestbeschmutzung“ in dem Sinne, dass mit dieser Aussage auch zahlreiche Psychotherapeuten verurteilt werden, die unter Schwerstarbeit und einem „Minimallohn“ (. . .) ihre Praxen führen. Dürfen deshalb alle sonst in der Wirtschaft geltenden Regeln nicht angewendet werden, und sollte auch noch der Verkauf der Praxis reglementiert werden, weil der Psychotherapeut für unmündig und ausnützbar gehalten wird? Welche „Sitten“ sind da eigentlich gemeint? Weiß denn Frau Bühring überhaupt, wie schwierig und arbeitsaufwendig es ist, eine neue Praxis – auch wenn sie „kostenlos“ erworben wurde – aus dem Nichts aufzubauen? Wieviel Zeit nötig ist, um sie zum Laufen zu bringen? Nach meiner Erfahrung dauert dies mindestens ein Jahr (andere Psychotherapeuten berichten von bis zu drei Jahren), in dem der Verdienst so gering ist, dass er nicht mal die Kosten trägt). Und warum gelten für den Verkauf einer psychologischen Praxis oder auch Arztpraxis nicht die gleichen Regeln wie beim Firmenverkauf in der freien Wirtschaft: nämlich ein Euro mal Umsatz pro Jahr? Weil wir es gewohnt sind, unter Vorschriften und Reglementierungen zu arbeiten und uns auch hierbei denen von der Kammer und KV zu unterwerfen haben? Kein Mitspracherecht haben sollen bei dem, was allein aus unserer Arbeit und Initiative heraus gewachsen ist und geführt wurde und uns keine KV oder Kammer dabei unterstützt hat? Sind wir nur Freiberufler oder Selbstständige vor dem Finanzamt, vor der Kammer und der KV jedoch völlig unselbstständig, müssen auch da noch „geführt“ werden? Welches Menschenbild haben Sie eigentlich, Frau Bühring, von Ihren Lesern, die Sie bezahlen durch ihre hohen Kammerbeiträge (Anmerkung der Redaktion: Das Deutsche Ärzteblatt-PP wird nicht aus Kammerbeiträgen finanziert). Sie haben auch eine völlig unrealistische Vorstellung vom Kreditrahmen und den Rückzahlungsmöglichkeiten. Eine Voll-Praxis, die eingeführt ist, voll eingerichtet übernommen werden kann, wirft – wie Dieter Best in der letzten PP-Ausgabe beschrieben hat – zwischen 65 000 und 79 000 Euro im Jahr ab! Der neue Kollege könnte also schon sehr bald – wenn er sich etwas angespart hat, um sich selbstständig zu machen (was ja normal wäre, auch in der Wirtschaft), die Kosten abbezahlt haben. (. . .) Fazit: In den oben beschriebenen Fällen ist es meines Erachtens gerechtfertigt, einen hohen Erwerbspreis zu bezahlen, auch um dem alten Kollegen seinen Verlust, den er durch den Aufbau der Praxis hatte, auszugleichen. (. . .)
Dipl.-Psych. Hedwig Runge, Psychologische Psychotherapeutin, Adlerstraße C 242 B, 86633 Neuburg
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