ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2008Börsebius: In allerletzter Minute

GELDANLAGE

Börsebius: In allerletzter Minute

Dtsch Arztebl 2008; 105(41): A-2172 / B-1864 / C-1816

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Mein Telefon steht in diesen Tagen einfach nicht mehr still. „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, habe ich doch zuletzt geschrieben, ob das denn immer noch gelte. Natürlich haben die sehr besorgten Anrufer recht, der Kanonendonner nimmt dramatisch zu, so schnell lassen sich die immer näher kommenden Einschläge gar nicht angemessen verarbeiten. Panik allerorten, Apokalypse in den Börsensälen, rette sich, wer es überhaupt noch kann, und wenn ja, wohin?

Die jüngsten Hiobsbotschaften kamen denn auch nahezu als Doppelschlag über die Finanzgemeinde. War es erst die in allerletzter Sekunde noch vor dem Kollaps gerettete Hypo Real Estate (HRE), die den Deutschen zeigte, dass die Finanzkrise in bisher unvorstellbaren Dimensionen auch in unserer Republik angekommen ist – immerhin standen 35 Milliarden Euro im Feuer, ein Betrag, der sämtliche Einlagensicherungstöpfe sprengen würde, von den (verhinderten) Kettenreaktionen noch abgesehen. Was wir hierzulande zuvor erleben durften, IKB, KfW, diverse Landesbankendebakel, war verglichen mit der HRE-Explosion ein Kleckerbetrag.

Dann kam mit der Ablehnung des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets der US-Regierung der Katzenjammer erst richtig über die globalen Märkte. Die Kasperlemanieren einiger Abgeordneten im Repräsentantenhaus und die pubertären Bocksprünge der beiden Präsidentschaftskandidaten führten zu diesem Eklat, den die New Yorker Börse mit dem größten Tagesverlust ihrer Geschichte von gut sieben Prozent bestrafte.

Und dennoch: Das Ende der Finanzkrise ist nah! Auch wenn es durchaus möglich ist, dass die eine oder andere Bank, es kann auch eine große sein, strandet. Aber insgesamt scheinen die Notenbanker erkannt zu haben, worauf es wirklich ankommt: nicht jeden zu retten, der nicht mehr in der Lage ist, sich ohne Hilfe über Wasser zu halten.

Dass die Republikaner im US-Repräsentantenhaus eben das Rettungspaket abgelehnt haben, zeigt einerseits, wie panisch die Märkte reagieren können, freilich auch reagieren müssen, beweist aber andererseits, dass jetzt kühles Blut gefragt ist. Das Rettungspaket wird noch verabschiedet werden, des bin ich gewiss. Es gibt keine Alternativen hierzu. Ebenso war die Rettung von Hypo Real Estate ein gelungener wie auch lebenswichtiger Ritt auf der Rasierklinge.

Meiner Meinung nach stehen die Märkte vor einer Trendwende. Bis zum Jahresende sollten wir deutlich höhere Kurse im DAX sehen, vor allem dürften sich Engagements in Blue Chips lohnen. Persönlich sehe ich gute Gewinnchancen bei den DAX-Schwergewichten Deutsche Bank, Commerzbank, Allianz, Siemens, Bayer, RWE sowie bei den Stoxx-Werten, insbesondere für Ahold und Philips. Was in allerletzter Minute gelingt, kann der Auftakt zu einer anhaltenden Gesundung sein.
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