ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2008Zwangsstörungen: Expositionsverfahren zu selten angewandt

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Zwangsstörungen: Expositionsverfahren zu selten angewandt

PP 7, Ausgabe Oktober 2008, Seite 464

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LNSLNS Expositionsverfahren mit Reaktionsverhinderung gelten als effektive Behandlungsmethode bei Zwangsstörungen und werden in den Kassenanträgen ausnahmslos aufgeführt. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg haben jetzt untersucht, ob die eingeplanten Expositionsverfahren auch dementsprechend eingesetzt werden. Sie befragten 57 Patienten mit Zwangsstörungen zu ihren Erfahrungen mit früheren Therapien. Dabei stellte sich heraus, dass in 84 Prozent aller Therapien nach Meinung der Patienten keine Expositionsverfahren zum Einsatz kamen. Nach Therapieverfahren differenziert zeigt sich, dass in Nichtverhaltenstherapien überhaupt keine und selbst in 71 Prozent der Verhaltenstherapien keine konfrontierenden Verfahren durchgeführt wurden. Auch an vorbereitende Schritte auf eine Expositionstherapie, wie zum Beispiel Selbstbeobachtungsprotokolle oder Zwangshierarchien erstellen, konnte sich die Mehrzahl der Befragten nicht erinnern. „Das Ergebnis kann dahingehend interpretiert werden, dass Konfrontationsverfahren von den Therapeuten zwar als sinnvoll und notwendig erachtet, aber – zumindest laut Patientenberichten – selten in die Tat umgesetzt werden“, so die Autoren. Sie vermuten darin einen der Gründe für Misserfolge in der kognitiven Verhaltenstherapie von Zwangserkrankungen. ms

Böhm K, Förstner U, Külz A, Voderholzer U: Versorgungsrealität der Zwangsstörungen: Werden Expositionsverfahren eingesetzt? Verhaltenstherapie 2008; 1: 18–24.
Dr. Karsten Böhm, Prof. Dr. Ulrich Voderholzer, Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Hauptstraße 5, 79104 Freiburg, E-Mail: karsten.boehm@uniklinik-freiburg.de
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