ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2008Justizvollzug: Psychische Störungen kommen häufig vor

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Justizvollzug: Psychische Störungen kommen häufig vor

PP 7, Ausgabe Oktober 2008, Seite 467

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LNSLNS Ein Team deutscher Psychologen und Ärzte hat in den Jahren 2002 bis 2003 die Häufigkeit und Ausprägung psychischer Störungen im geschlossenen Justizvollzug ermittelt. Sie untersuchten 63 Frauen und 76 Männer, die in der geschlossenen Haftanstalt Bielefeld-Brackwede inhaftiert waren. Die Auswertungen ergaben, dass psychische Störungen in hohem Ausmaß vorhanden waren: 88 Prozent der Gefangenen wiesen mindestens eine aktuelle psychische Erkrankung oder Persönlichkeitsstörung auf. Die meisten litten unter mehreren Störungen gleichzeitig. Bei über 70 Prozent waren ein Substanzmissbrauch beziehungsweise
eine -abhängigkeit festzustellen, insbesondere Opiat- und Alkoholabhängigkeit. Die zweithäufigste Störungsgruppe stellten die Angststörungen dar, vor allem die posttraumatische Belastungsstörung war mit 32 Prozent bei den Frauen weitverbreitet. Unter den Persönlichkeitsstörungen nahm die Borderlinestörung eine herausragende Stellung ein. 43 Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer waren davon betroffen. „Studien aus dem angloamerikanischen Raum bestätigen die hohe Prävalenz psychischer Erkrankungen im geschlossenen Justizvollzug“, so die Autoren. Zwei Drittel der Gefangenen wünschten sich eine adäquate Behandlung. Allerdings wird das vorhandene Versorgungsangebot dem Bedarf kaum gerecht, denn die wenigsten Vollzugsanstalten bieten zurzeit ein ausreichendes psychiatrisches oder psychotherapeutisches Angebot. ms

von Schönfeld C E: Mitgefangen – mitgehangen. Psychisch kranke Frauen und Männer im geschlossenen Justizvollzug. Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 2008; 1: 35–46.
Dr. Carl-Ernst von Schönfeld, Fachkrankenhaus Bethel, Tagesklinik Bethel, Gadderbaumer Straße 31, 33602 Bielefeld
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