ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2008Posttrauma: Psychische Folgen des Zweiten Weltkriegs

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Posttrauma: Psychische Folgen des Zweiten Weltkriegs

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LNSLNS Wie verbreitet ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) in Deutschland? Um das herauszufinden, beauftragte die Universität Leipzig ein Umfrageinstitut, das im Sommer 2005 eine repräsentative Befragung mit 2 426 Deutschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren durchführte. Die Einmonatsprävalenzrate lag bei 2,3 Prozent für das PTBS-Vollbild und bei 2,7 Prozent für partielle PTBS-Syndrome. Geschlechterunterschiede zeigten sich nicht, dafür aber Altersunterschiede: Die über 60-Jährigen hatten eine Prävalenz bezüglich des PTBS-Vollbilds von 3,4 Prozent, während diese bei den 14- bis 29-Jährigen (1,3 Prozent) und bei den 30- bis 59-Jährigen (1,9 Prozent) deutlich darunter lag. Eine ähnliche Verteilung war hinsichtlich der partiellen PTBS-Syndrome zu beobachten. Bei Senioren in der Schweiz zeigte sich hingegen nur bei 0,7 Prozent das PTBS-Vollbild. Die Wissenschaftler führen die relativ hohe Prävalenz der PTBS bei älteren Deutschen teilweise auf Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg zurück, insbesondere auf Kriegshandlungen, Ausbombung und Heimatvertreibung. „Diese Kriegserfahrungen müssen nicht in direktem Zusammenhang mit aktuellen PTBS-Symptomen stehen, können aber das Risiko für das Auftreten einer neuen Symptomatik nach einem weiteren Trauma erhöhen“, so die Autoren. Sie fordern, dass bei der Diagnostik älterer Menschen PTBS häufiger in Erwägung gezogen werden sollen. ms

Maercker A, Forstmeier S, Wagner B, Glaesmer H, Brähler E: Posttraumatische Belastungsstörungen in Deutschland. Nervenarzt 2008; 79(5): 577–86.
Prof. Dr. Dr. A. Maercker, Fachrichtung Psychopathologie und Klinische Intervention, Universität Zürich, Binzmühlestraße 14/17, CH-8050 Zürich, E-Mail: maercker@psychologie.unizh.ch
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