ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Banken und Börsen: Auf der Intensivstation

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Banken und Börsen: Auf der Intensivstation

Dtsch Arztebl 2008; 105(42): A-2183 / B-1875 / C-1827

Stüwe, Heinz

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Heinz Stüwe Chefredakteur
Heinz Stüwe Chefredakteur
Eines vorweg: Wenn der gesamte Finanzsektor auf die Intensivstation kommt, kann niemand ganz ungeschoren davonkommmen. Die Behandlungskosten sind von allen zu tragen. Selbst wer keine Zertifikate von Lehman Brothers im Depot hat, wer nicht einmal Aktien oder Investmentfonds besitzt, deren Kurse in den Keller gerauscht sind, ist betroffen – als Steuerzahler, der zur Kasse gebeten wird, wenn die milliardenschweren staatlichen Garantien und Bürgschaften für die Finanzinstitute in Anspruch genommen werden, als Anleger oder Kreditnehmer, der sein Scherflein dazu beitragen wird, dass seine Bank, seine Sparkasse sich an Stützungsaktionen des Kreditwesens beteiligen kann.

Aber wer mag noch wie in normalen Zeiten über Zehntelprozentpunkte hinter dem Komma diskutieren? Inzwischen geht es um mehr: Ärztinnen und Ärzte möchten (auch von der DÄ-Redaktion) wissen: Wie sicher sind meine Einlagen? Kann ich auf meine Altersvorsorge vertrauen? Die ärztlichen Versorgungswerke können für sich in Anspruch nehmen, Krieg und Währungsreform überstanden zu haben. „Wir haben den Absturz der Aktienkurse 2000/2001 durchgestanden. Es wird auch in dieser Finanzkrise kein Versorgungswerk umfallen“, sagte Michael Jung, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV). Liquiditätsprobleme wie die Banken haben die Versorgungswerke nicht, weil ihre Beitragseinnahmen größer sind als die laufenden Renten. Zudem unterliegen die Versorgungswerke denselben strengen gesetzlichen Anlagevorschriften. Von den mehr als 100 Milliarden Euro Vermögensanlagen aller berufsständischen Versorgungswerke ist der Großteil in Schuldscheindarlehen/Namensschuldverschreibungen und festverzinslichen Wertpapieren investiert, nur 17 Prozent in Aktien. Selbstverständlich halten die Versorgungswerke auch Schuldverschreibungen, die von Banken ausgegeben wurden. Wertberichtigungen aufgrund sinkender Aktienkurse können die laufenden Erträge mindern und so die Perspektiven für künftige Rentensteigerungen verschlechtern.

Den Versorgungswerken kommt neben der Tatsache, dass sie eine Pflichtversicherung sind, ihre Mischstruktur zwischen Sozial- und Individualversicherung zugute: Sie nutzen die Vorteile der Kapitaldeckung, sie sind aber keine privatrechtliche Lebensversicherung, sondern können auch Elemente des Umlageverfahrens praktizieren. Damit gewinnen sie Flexibilität, die in Krisenzeiten wichtig werden kann. Schließlich steht hinter den Versorgungswerken nicht irgendein öffentlicher Gewährträger, sondern die Solidargemeinschaft. Das sollte sich auch in der Zukunft bewähren.

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, die Bank für die akademischen Heilberufe, legt Wert auf die Feststellung, dass die Einlagen auf ihren Konten nicht erst durch die Garantie der Bundesregierung in voller Höhe durch den genossenschaftlichen Garantieverbund geschützt sind. Das gilt auch für Inhaberschuldverschreibungen der Apobank. Dort heißt es, im Fall einer Insolvenz würde der Institutsschutz der Genossenschaftsbanken greifen. Noch nie seit Gründung der Sicherungseinrichtung vor mehr als 70 Jahren habe ein Kunde seine Einlagen verloren, und noch nie sei eine angeschlossene Bank in die Insolvenz gegangen. Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass die grundsolide aufgestellte Apobank in sogenannte strukturierte Finanzinstrumente investiert hat, die ausgehend von den USA die Krise ausgelöst haben. Auf diese Anlagen wurden seit Anfang 2007 insgesamt 282,6 Millionen Euro abgeschrieben – bei einer Bilanzsumme von 39,3 Milliarden Euro. Die Apobank habe, wie Vorstandssprecher Günter Preuß Mitte Juni sagte, „zwar Schrammen abbekommen, aber keine lebensgefährlichen Verletzungen“. Das Institut will auch keineswegs bei der Kreditvergabe an Freiberufler auf die Bremse treten. Ohnehin steht ein Ergebnis der Krise schon fest: Nach dem grandiosen Scheitern der Investmentbanken müssen sich auch die ganz Großen wieder um normale Kunden wie Ärztinnen und Ärzte kümmern.
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