ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Randnotiz: Allein in der Kälte

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Randnotiz: Allein in der Kälte

Dtsch Arztebl 2008; 105(42): A-2187 / B-1879 / C-1831

Gieseke, Sunna

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LNSLNS In manchen Situationen ist einem einfach unwohl – vor allem wenn man sich in einer Gruppe oder am Arbeitsplatz ausgegrenzt oder „gemobbt“ fühlt. Man verspürt dann eine „eisige Kälte“ oder ein „frostiges Klima“. In einer Studie von Psychologen der Universität Toronto/Kanada (Psychological Science, Bd. 19, 2008) zeigte sich, dass diese Redewendungen nicht ohne Grund entstanden sind. Die soziale Isolation fühlt sich anscheinend nicht nur im bildlichen Sinn kalt an. Auch das körperliche Wärmeempfinden verändert sich bei den betroffenen Personen.

Ausgegrenzte Menschen empfinden demnach Temperaturen als niedriger gegenüber solchen, die sich in ihrer Umwelt wohlfühlen. Die Psychologen Chen-Bo Zhong und Geoffrey Leonardelli zeigten dies anhand einiger Experimente an Studenten.

In einem Test mussten 52 Studienteilnehmer, in Vierergruppen eingeteilt, gegeneinander am Computer spielen. In diesem animierten Ballspiel saßen die einzelnen Teilnehmer an getrennten Rechnern. Die Gruppen glaubten, sie bestimmten selbstständig, wem der Ball zugespielt wurde. In Wahrheit übernahm dies aber der Computer.

Die Hälfte der Probanden wurde bewusst von dem Programm ausgeschlossen. Ihnen wurde der Ball nur zweimal zugespielt, in der letzten halben Stunde wurden sie gar nicht mehr am Spiel beteiligt. Sie fühlten sich bewusst ausgegrenzt.

Nach dem Spiel folgte ein gemeinsames Essen am Buffet. Hier zeigte sich den Psychologen, dass die Studenten, die sich isoliert fühlten, warme Speisen und Getränke bevorzugten. Einsamen Menschen sei demnach so kalt, dass sie die Eiscreme lieber stehen ließen.
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