ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Zirkulierende Tumorzellen als Verlaufsparameter

AKTUELL: Akut

Zirkulierende Tumorzellen als Verlaufsparameter

Dtsch Arztebl 2008; 105(42): A-2188 / B-1880 / C-1832

EB; Siegmund-Schultze, Nicola

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Fluoreszenzbild mit drei epithelialen Tumorzellen (grün) zwischen Blutzellen (rot) Foto: UKJ
Fluoreszenzbild mit drei epithelialen Tumorzellen (grün) zwischen Blutzellen (rot) Foto: UKJ
Mithilfe der Bestimmung zirkulierender Tumorzellen könnte sich die adjuvante Chemotherapie nach einer Operation bei Patientinnen mit Mammakarzinom weiter individualisieren lassen. An diesem Ansatz zur Verbesserung der individuellen Verlaufsbeobachtung arbeiten Onkologen am Jenaer Universitätsklinikum gemeinsam mit Kollegen der Universitätsfrauenklinik, um die Methode allen Patientinnen am Interdisziplinären Brustzentrum Jena anbieten zu können. „Wenn die Zahl der Tumorzellen im Blut während der Chemotherapie ansteigt, dann besteht erhöhte Gefahr für ein Rezidiv“, fasst die Onkologin Prof. Dr. med. Katharina Pachmann das Ergebnis einer Untersuchung mit 91 Patientinnen zusammen. Dabei war den Frauen vor, während und nach der Therapie Blut abgenommen worden, insgesamt mindestens viermal.

In einem selbst entwickelten Verfahren bereiteten die Wissenschaftler die Blutproben auf und zählten mittels Laser-Scanning-Zytometrie die einzelnen – mit Fluoreszenzfarbstoffen markierten – Tumorzellen. Sie unterschieden so Patientinnen mit stark zurückgehender Zahl von Tumorzellen, mit etwa gleichbleibender Zellanzahl und Patientinnen mit sich stark vermehrenden Tumorzellen im Blut. In dieser letzten Gruppe erlitten in den darauffolgenden 40 Monaten zwölfmal mehr Frauen ein Rezidiv als in der Gruppe mit sinkender Tumorzellzahl.

Schon frühere Untersuchungsreihen wiesen auf die Aussagekraft dieser Krebszellen im Blut für die Wirkung der sogenannten neoadjuvanten Therapie, der Zytostatikabehandlung zur Verkleinerung eines Tumors vor der Operation hin. Auch bei anderen Krebsarten, wie Melanom, Lungen-, Prostata- und Dickdarmkrebs, spielen die im Blut zirkulierenden Tumorzellen eine Rolle. „Die zirkulierenden Krebszellen geben einen Anhaltspunkt für das Rezidivrisiko, das in die Therapiegestaltung einfließen muss“, wertet Prof. Dr. med. Klaus Höffken, Direktor der Klinik für Innere Medizin II, den Stand der Erkenntnisse. Gemeinsam mit den Gynäkologen werde eine Folgestudie geplant. EB/nsi
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