ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Jerusalem: Beitrag zu einer heileren Welt

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Jerusalem: Beitrag zu einer heileren Welt

Dtsch Arztebl 2008; 105(42): A-2218 / B-1901 / C-1851

Gieseke, Sunna

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Das Hadassah Medical Center in Jerusalem hat den Anspruch, durch die Medizin eine bessere Welt zu schaffen. Foto: Hadassah International
Das Hadassah Medical Center in Jerusalem hat den Anspruch, durch die Medizin eine bessere Welt zu schaffen. Foto: Hadassah International
Das Hadassah Medical Center sieht sich als normales Krankenhaus und wurde doch für den Friedensnobelpreis nominiert. Mitten in Jerusalem gilt es für Israelis und Palästinenser als Insel der Hoffnung.

Das Besondere am Hadassah Medical Center: Es ist ein ganz normales Krankenhaus. Hier werden kranke Menschen behandelt, und auch die Forschung hat einen hohen Stellenwert. 850 Ärzte versorgten im vergangenen Jahr 102 108 Patienten, und 10 885 Kinder wurden dort geboren. Hinter diesen Fakten verbirgt sich eine Ideologie. „Es ist unsere Philosophie, allen Menschen, die Hilfe brauchen, zu helfen und so einen Beitrag zu einer heileren Welt zu leisten“, erklärt Gandy Gronich, Direktor der deutschen Sektion der „Hadassah Medical Relief Association“.

Dieser Anspruch klingt vielleicht etwas hochtrabend – doch das Hadassah Medical Center steht mitten in Jerusalem. Hier wird kein Unterschied gemacht zwischen Arm und Reich, politischer oder religiöser Zugehörigkeit. „Es geht uns um die Menschen. Daher behandeln wir auch Patienten ohne Kran­ken­ver­siche­rung“, sagt Dr. med. Michael Weintraub, Direktor der pädiatrischen Hämatologie-Onkologie-Abteilung. „Häufig sind es Palästinenser, die sich keine Versicherung leisten können.“ Die Kosten für diese Behandlungen werden hauptsächlich über Spendengelder getragen.

Hinter dem Krankenhaus in Jerusalem steht eine weltweit tätige Organisation. Sie ist aus der zionistischen Frauenbewegung in den USA hervorgegangen, die Henrietta Szold 1912 gegründet hat. Die Organisation setzt sich noch heute für das Gesundheitswesen in Israel und für die Stärkung der Position von Frauen ein.

Für den Nobelpreis nominiert
Bereits 1913 reisten zwei US-amerikanische Krankenschwestern nach Palästina mit dem Ziel, Mütter und Kinder mit ordentlicher Nahrung zu versorgen. Auch die Augenkrankheit Trachom sollte ausgerottet werden. Jüdische Frauen in den USA gründeten die Organisation. 1939 wurde dann das Hadassah-Universitätskrankenhaus eröffnet. Mit dem Ziel, Augenkrankheiten zu bekämpfen, begann Hadassah 1958, Ärzte in afrikanische Länder zu entsenden. 2005 wurde das Krankenhaus für den Friedensnobelpreis nominiert. Hadassah sei „ein Beispiel für die Welt, dass Hass und Misstrauen durch das Engagement von Menschen überwunden werden können“, hieß es in der Begründung für die Nominierung.

Und dennoch ist das Hadassah Medical Center ein ganz normales Krankenhaus. So empfindet es zumindest Weintraub. Der Arzt sieht nichts Besonderes in seiner Tätigkeit. „Jeder deutsche Arzt leistet genauso gute Arbeit.“ Er setzt sich für das Leben krebskranker Kinder ein. „Der Krebs ist aber nicht nur für das Kind, sondern auch für die ganze Familie eine Krise“, sagt der israelische Arzt. Daher haben die Eltern die Möglichkeit, rund um die Uhr bei ihren Kindern zu bleiben. „Zur Aufmunterung gibt es fünf Clowns, die sich um die Kinder kümmern.“ Weintraub mag seinen Beruf. Vor allem mag er Jerusalem. „Die Stadt ist viel sicherer, als die meisten Menschen denken. “ Viele seiner Freunde und Arbeitskollegen seien zudem Palästinenser, betont er im Hinblick auf die alten Vorurteile über das Zusammenleben in Israel.

Jährlich kommen bis zu 120 neu erkrankte Kinder und Jugendliche zu Weintraub. Ihre Heilungschancen liegen bei 80 Prozent. Weintraub weiß aber, dass es nach wie vor wichtig ist, Fortschritte sowohl in der medizinischen Versorgung als auch bei der psychologischen Betreuung krebskranker Kinder zu erzielen. Im Hadassah erforscht man derzeit die Langzeiteffekte der Krebstherapie bei Kindern. So soll Hadassah auch in Zukunft ein Ort der Hoffnung sein, wenn es dabei auch ein ganz normales Krankenhaus bleibt.
Sunna Gieseke
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