ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Wartezeiten: Scheinheilig
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Die Diskussion über eine „Zweiklassenmedizin“ in Deutschland und der entrüstete Aufschrei der Medien unisono mit unseren Gesundheitspolitikern sind an Bigotterie wohl kaum noch zu überbieten. Seit Jahren tun unsere zuständigen Gesundheitspolitiker alles, um medizinische Leistungen transparent, planbar und berechenbar zu machen; dies alles natürlich, um Kosten zu senken. Dieses Diktat der Ökonomie über die Medizin mit all seinen Auswüchsen wird nicht nur in der Ärzteschaft seit Längerem beklagt, sondern auch im Ausland verwundert registriert. So z. B. in Australien, wo sich die Erfinder des DRG-Systems nur noch kopfschüttelnd über die deutsche Gründlichkeit wundern, mit der dieses System jetzt als Allheilmittel für eine Reform im Gesundheitswesen gesehen wird, nachdem es eigentlich nur für die Schaffung von Transparenz, jedoch nicht für die Steuerung und Reglementierung von Leistungen entwickelt worden war. Warum wundern sich jetzt dieselben Politiker, die mit ihren Maßnahmen vor allem die niedergelassenen Ärzte, aber auch die Krankenhäuser wissentlich in eine Situation gebracht haben, in der sie ihre Leistungen planen und budgetieren müssen, darüber, dass dem so ist? Warum schreien jetzt alle so entrüstet auf: „Das haben wir nicht gewollt“? Natürlich ist es gewollt, wenn bei gedeckeltem Budget Leistungen vom einem Quartal ins nächste geschoben werden, wenn kein Notfall vorliegt. Natürlich würde diese Praktik beendet werden, wenn es keine Budgetdeckelung mehr gäbe, und zwar unabhängig davon, ob der jeweilige Patient gesetzlich versichert ist oder ein Selbstzahler. Wer hier so tut, als sei das nicht vorhersehbar gewesen, sagt wissentlich die Unwahrheit oder ist nicht mehr in der Lage, die Konsequenzen und die Tragweite seiner Entscheidungen zu übersehen und somit nicht geeignet, eine vorausschauende Gesundheitspolitik und Reform im Gesundheitswesen zu gestalten . . .
Priv.-Doz. Dr. med. Dirk W. Sommerfeldt,
Abteilung für Kinder- und Jugendtraumatologie,
Altonaer Kinderkrankenhaus, Bleickenallee 38, 22763 Hamburg
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