ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Weiterbildung: In großer Sorge
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. . . Ich kann im Gegensatz zu den Verfassern des Artikels keine „höchst interessante Erweiterung der Psychotherapieoptionen“ wahrnehmen, sondern bin in großer Sorge, dass zumindest die tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapieansätze auf diese Weise auf der Strecke bleiben. Natürlich spricht nichts dagegen, wenn sich somatisch orientierte Mediziner in ihrem Fachgebiet spezifisch psychotherapeutisch weiterbilden; dies hat jedoch nichts mit der psychotherapeutischen Tätigkeit des heute bestehenden ärztlichen Zusatztitels Psychotherapie zu tun. Warum dieser in der Qualität gegenüber einem psychiatrischen Kollegen, der im Rahmen seiner Facharztausbildung Psychiatrie keine längere Psychotherapieweiterbildung erhalten hat, noch zurückgestuft werden muss, bleibt mir unklar. Ebenfalls macht es keinen Sinn, eine weitere Minderqualifikation (nur halbe Ausbildungsanforderungen) dieses fachgebundenen Psychotherapeuten einzuführen. Dass es nicht nur um eine zusätzliche Qualifikation von Somatikern geht, sondern dass den bisher ärztlichen psychotherapie-qualifizierten Zusatztitelinhabern künftige berufliche Arbeitsmöglichkeiten auf diese Weise verwehrt werden, ist meines Erachtens offensichtlich. Nun befindet man sich wieder mitten im Verteilungskampf der Lobbygruppen (Psychiater, Psychotherapeuten, Psychosomatiker usw.) und läuft Gefahr zu übersehen, dass die fachbezogene Psychotherapie das bisherige Grundverständnis von psychotherapeutischer Arbeit infrage stellt . . . Wohin geht denn künftig der Patient mit einem psychogenen Schwindel? Zum neurologischen Psychotherapeuten? Zum HNO-Psychotherapeuten? Zum internistischen Psychotherapeuten? Oder nicht am Ende doch lieber zum Heilpraktiker, der sich bemüht, ihn in Gesamtpersönlichkeit und somatischer Krankheit zu erfassen, auch wenn es dort an der psychotherapeutischen Fachkompetenz fehlen könnte.
Dr. med. Jan Peter Theurich, LWL-Klinik Gütersloh, Hermann-Simon-Straße 7, 33334 Gütersloh
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