ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Schweiz: Es müssen nicht immer die Berge sein . . .

KULTUR

Schweiz: Es müssen nicht immer die Berge sein . . .

Dtsch Arztebl 2008; 105(42): A-2232

Traub, Ulrich

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Renzo Piano hat mit dem Zentrum Paul Klee ein fulminantes Bauwerk geschaffen, das in die Landschaft zu fließen scheint. Foto: Zentrum Paul Klee
Renzo Piano hat mit dem Zentrum Paul Klee ein fulminantes Bauwerk geschaffen, das in die Landschaft zu fließen scheint. Foto: Zentrum Paul Klee
. . . oder Schokolade oder Wintersport. Neue Museen und alte Kunstschätze locken kulturell Interessierte in die Schweiz.

Das Schaulager in Basel ist ein umgewandeltes Lagerhaus. Es beherbergt heute die Sammlung Emanuel Hoffmann. Foto: Tom Bisig
Das Schaulager in Basel ist ein umgewandeltes Lagerhaus. Es beherbergt heute die Sammlung Emanuel Hoffmann. Foto: Tom Bisig
Man darf nichts Kleines machen, sondern muss das Ganze in die Planung integrieren. Und so haben wir das Gelände als Skulptur gesehen und das Feld bearbeitet wie Bauern.“ Was Architekt Renzo Piano mit viel Understatement resümiert, ist ein fulminantes Bauwerk, das sich mit sanftem Schwung in die hügelige Landschaft vor den Toren der Schweizer Hauptstadt Bern schmiegt: das Zentrum Paul Klee.

Die Eröffnung dieses Ausstellungs- und Kulturzentrums im Jahr 2005 war ein weiterer Höhepunkt auf der stetig länger werdenden Liste mit Museumsneubauten, mit denen die Schweiz zunehmend auch Kulturtouristen ins Land lockt.

In Bern führt der Wanderweg auf den Spuren Paul Klees, der hier 1879 geboren wurde und viele Jahre seines Lebens verbracht hat, aus der Stadt heraus aufs freie Feld. Drei ausladende, vom Boden aus aufschwingende Wellen, die eine fast 200 Meter lange Glasfront ummanteln, sind das Gesicht von Renzo Pianos Zentrum Paul Klee. Es bietet rund 4 000 Werken Klees eine Heimat – von der Malerei bis zu den berühmten Handpuppen. Mit Wechselausstellungen, die auf das Werk des Künstlers Bezug nehmen, wird eine Brücke zur zeitgenössischen Kunst geschlagen. Konzerte, Theater, Vorträge, ein Kindermuseum sowie ein Restaurant und ein Café gehören zum Angebot des Zentrums, dass sich zu größten Teilen unterirdisch ausbreitet.

Mit dem Schaulager in einem Vorort von Basel haben die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron einen spektakulären Ort für Kunst geschaffen. Sie wandelten ein Lagerhaus um, das sich nun äußerlich wie ein überdimensionaler Lehmbau mit Einschnitten präsentiert, in seinem Inneren aber mit monumentalen Räumen überzeugt. Seit 2003 ist es gleichzeitig Aufbewahrungsstätte und Ausstellungsfläche für die umfangreiche Emanuel-Hoffmann-Sammlung.

Eine bauliche Entsprechung zum Werk: Das Centre Dürrenmatt führt in die Tiefe. Foto: Centre Dürrenmatt
Eine bauliche Entsprechung zum Werk: Das Centre Dürrenmatt führt in die Tiefe. Foto: Centre Dürrenmatt
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Oberhalb von Basel findet man das Centre Dürrenmatt. Der Tessiner Architekt Mario Botta hat einen geschwungenen Gebäuderiegel unter dem Wohnhaus des Schriftstellers und Malers in den Berg gebaut. Er strebte nach einer baulichen Entsprechung zum Werk Dürrenmatts, das „in der Tiefe der menschlichen Seele schürft“. So führt der Weg zum Leben und Werk Dürrenmatts nun ins Unterirdische. Von der Terrasse aus aber genießt man den Blick auf den Lac de Neuchâtel und die Berge.

Auch in Luzern darf sich der Kunsttourist seit 2000 auf eine höchst ungewöhnliche Begegnung mit dem See freuen. Im Kunst- und Kulturzentrum am Ufer des Vierwaldstätter Sees plätschert Seewasser in kleinen Kanälen. Das vom Architekten Jean Nouvel entworfene Gebäude beherbergt ein Kunstmuseum, einen Konzertsaal sowie Bars und Restaurants. Wenige Schritte sind es von hier zu einer Rarität der europäischen Museumslandschaft. Am Löwenplatz ist das vor einigen Jahren restaurierte Bourbaki-Panorama zu bestaunen, eines der wenigen erhaltenen Rundbildgemälde, das Kino des 19. Jahrhunderts. Das Panorama zeigt auf 110 Metern eine Szene aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Es muss ja nicht immer zeitgenössisch sein.
Ulrich Traub

Informationen: Schweiz Tourismus, Telefon: 0 08 00/10 02 00 30 (gebührenfrei), www.myswitzerland. com; Museen: www.museums.ch

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