ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Neurochirurgie: Laserlicht zum Aufspüren von Tumorzellen

TECHNIK

Neurochirurgie: Laserlicht zum Aufspüren von Tumorzellen

Dtsch Arztebl 2008; 105(42): A-2234 / B-1912 / C-1860

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Weltweit einzigartiger Prototyp in Göttingen im Test: Das Operationsmikroskop mit integrierter optischer Gewebeanalyse. Veit Rohde (links) und Alf Giese waren in die Entwicklung eingebunden. Foto: umg
Weltweit einzigartiger Prototyp in Göttingen im Test: Das Operationsmikroskop mit integrierter optischer Gewebeanalyse. Veit Rohde (links) und Alf Giese waren in die Entwicklung eingebunden. Foto: umg
Eine Arbeitsgruppe von Neurochirurgen an der Universitätsmedizin Göttingen hat untersucht, ob die laseroptische Gewebeanalyse im Operationssaal hilfreich sein könnte. Hierzu steht ihnen der nach eigenen Angaben weltweit erste Prototyp eines Operationsmikroskops mit integrierter OCT-Technologie (= optische Kohärenztomografie) zur Verfügung. Letztere nutzt die Reflexionseigenschaften von Geweben unter Einstrahlung von nahinfrarotem Laserlicht und gewinnt darüber zusätzliche diagnostische Informationen. Erste klinische Erfahrungen zeigen, dass durch die Gewebeanalyse hochpräzise zwischen krankem und gesundem Hirngewebe unterschieden werden kann. „Wir können erstmals zeigen, dass eine Technologie wie die optische Lasergewebeanalyse geeignet ist, minimale Tumorreste im Bereich der ehemaligen Tumorhöhle noch während der Operation darzustellen“, sagte Prof. Dr. med. Veit Rohde. „Die Genauigkeit ist viel höher als die der übrigen im Operationssaal zum Einsatz kommenden bildgebenden Verfahren.“

Der Neurochirug war ebenso wie sein Kollege Prof. Dr. med. Alf Giese in die Entwicklungsarbeit des OP-Mikroskops eingebunden. Das Ziel der Neurochirurgen: Sie suchen nach einem Verfahren, das es ihnen ermöglicht, bereits beim Operieren verbliebene Tumorzellen von zu schonendem normalem Hirngewebe zu unterscheiden. Dies ist bei vielen Hirntumoren schwierig. „Insbesondere bei bösartigen Hirntumoren bedeutet eine vollständige Entfernung des Tumors einen Überlebensvorteil für die betroffenen Patienten. Das Erkennen von Resttumor oder hochgradig krebsbefallenen Hirnarealen noch während der Operation ist deshalb von größter Bedeutung, gelingt aber mit den üblichen Operationsmikroskopen nicht häufig“, erläuterte Giese.

Inzwischen sind die ersten Patienten mit dem Kombimikroskop operiert worden. Eine Unterscheidung zwischen aktiven Tumorzellen am Tumorrand und abgestorbenen Tumorzellen im Tumorzentrum erwies sich als ebenso möglich wie die Erfassung von Zellnestern im normalen Hirngewebe. Bis es für das OP-Verfahren gesicherte Patientendaten gibt, wird es jedoch noch einige Jahre dauern. Klinische Erfahrungen mit der OCT-Darstellung gibt es bislang nur für die Ophthalmologie und die Dermatologie. Für den Einsatz in der Urologie, Gynäkologie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde liegen bislang nur experimentelle Arbeiten vor. EB
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