ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2008Börsebius: Die Abgeltungsteuer kommt trotzdem

GELDANLAGE

Börsebius: Die Abgeltungsteuer kommt trotzdem

Dtsch Arztebl 2008; 105(42): A-2238 / B-1914 / C-1862

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Da haben wir den Salat. Die Uhr tickt immer schneller, da mit den nächsten Silvesterkrachern unerbittlich eine neue Epoche der Kapitaleinkünftebesteuerung eingeleitet wird. Trotz Finanzkrise, wegen der gerade eben der Börsengang von Schott-Solar abgesagt wurde und das Going-Public der Deutschen Bahn ins Wanken gerät, trotz Panik bei den Anlegern kommt die Abgeltungsteuer in Windeseile auf uns zu.

Die armen Banken und Finanzdienstleister haben Berge von Hochglanzprospekten gedruckt, um den Anlegern Produkte zu verkaufen, mit denen die Abgeltungsteuer möglichst gut umschifft werde, wenn es denn auch so stimmte. Jetzt will – oder kann – das Steuerschreckgespenst plötzlich keinen Anleger mehr aus seiner Schreckstarre erlösen. Viele haben derzeit überhaupt keine Lust auf ein Gespräch mit ihrem Bankmenschen. Wie soll sich der gebeutelte Kunde denn ernsthaft Gedanken über die Abgeltungsteuer machen, wo doch just in diesem Moment in seinem Depot eine Kursimplosion nach der anderen abläuft.

Bei allem Verständnis für derlei schreckhafte Einblicke in die derzeitigen Portfolios ist es gleichwohl völlig falsch, sich dem Diktat der Finanzkrise zu beugen und jedwede Abgeltungsteuerstrategien einzustellen. Gerade jetzt kommt es darauf an, die Weichen für mögliche steuerfreie Kursgewinne zu stellen.

Zur Erinnerung: Vom 1. Januar 2009 an werden alle Kapitalerträge pauschal mit 25 Prozent besteuert. Darauf kommt noch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer, macht unterm Strich eine Belastung von gut 28 Prozent. Steuerfreie Kursgewinne gibt es dann überhaupt nicht mehr. Nur wer dieses Jahr etwa noch Aktien oder Aktienfonds kauft, kann auch in den kommenden Jahren Gewinne hieraus steuerfrei für sich verbuchen. Das setzt natürlich voraus, dass er die richtigen Produkte kauft, also (teure) Dachfonds möglichst meidet, und erst recht, dass er noch das nötige Kleingeld hat, die Aktienlieblinge seiner Wahl zu kaufen, denen er die entsprechenden Kursgewinne auch wirklich zutraut.
Genau an der klingenden Münze kann die an sich gute Idee scheitern. Viele Anleger trauen sich nicht, die Werte ihrer Depots zu verkaufen, um an „fresh money“ heranzukommen – angesichts horrender Verluste eine durchaus verständliche Reaktion.

In dieser Situation lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob nicht ohnehin nächstes oder übernächstes Jahr eine Lebensversicherung fällig wird, und sich diese dann schon 2008 über ein Policendarlehen vorzeitig auszahlen zu lassen. Der Steuerspareffekt kann hier durchaus fantastische Dimensionen annehmen, wobei darauf zu achten ist, dass es sich nicht um eine fiskalisch „steuerschädliche Beleihung“ handelt. Sie sehen, Pferdefüße allerorten. Wenn die Beleihung privater Natur ist, das Darlehen also für den Kauf von Wertpapieren im eigenen Depot verwendet wird, dürfte aber hier keine Gefahr bestehen. Für clevere Anleger ist das Policendarlehen also genau das Richtige, gerade jetzt.
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