ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2008Leitsymptom Schwindel - Diagnose und Therapie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Leitsymptom Schwindel - Diagnose und Therapie: Schlusswort

Diagnosis and Treatment of Vertigo and Dizziness: In Reply

Dtsch Arztebl 2008; 105(43): 748; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0748

Strupp, Michael

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LNSLNS Wir möchten beiden Kollegen für die konstruktiv kritischen Anmerkungen und Fragen danken. Der phobische Schwankschwindel ist eine gut definierte Krankheitsentität, mit international akzeptierten Diagnosekriterien. Wir stimmen darin überein, dass beim phobischen Schwankschwindel häufig eine psychiatrische Komorbidität besteht, insbesondere Depressionen.

Die Diagnose des Morbus Menière basiert auf den diagnostischen Kriterien der American Academy of Ophthalmology and Otolaryngology (1995). Darin gehen nicht nur berichtete Symptome ein, sondern es wird auch der objektive Nachweis einer Hörstörung gefordert. Diese Kriterien sind durchaus verbesserungswürdig, insbesondere zur Abgrenzung des Morbus Menière von der vestibulären Migräne. Die Lebenszeitprävalenz liegt nach verschiedenen Studien zwischen 0,2 und 0,5 %. Die Verläufe sind variabel.
In unserer Therapiestudie wurden die Patienten über ein Jahr beobachtet; inzwischen liegen Verlaufsuntersuchungen von bis zu drei Jahren vor, die die positiven Ergebnisse der hoch dosierten Betahistin-Therapie stützen. Die Befunde der Pilotstudie sind die Grundlage für eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte randomisierte, placebokontrollierte Dosisfindungsstudie. Die klinische Unterscheidung zwischen einem psychogenen Schwindel und dem Morbus Menière stellt in der klinischen Routine kein Problem dar. Die Abgrenzung zwischen vestibulärer Migräne und Morbus Menière ist häufig schwierig, zumal 60 % der Patienten die diagnostischen Kriterien für beide Erkrankungen erfüllen können. Bezüglich des Wirkmechanismus des Betahistin ist zu betonen, dass es sich um einen H1-Agonisten und H3-Antagonisten handelt, der nach Tierversuchen die Durchblutung des Innenohrs verbessert (1) und so die Balance zwischen Produktion und Resorption der Endolymphe verbessern und den endolymphatischen Hydrops reduzieren kann.

Therapie des gutartigen Lagerungsschwindels mit den Manövern nach Epley und Semont: Eine Reihe von Metaanalysen zeigt, dass beide Therapieverfahren die gleiche Wirksamkeit haben (Übersicht in [2]).

Differenzialdiagnose Neuritis vestibularis versus Pseudoneuritis vestibularis: Die Diagnose der Neuritis vestibularis ist eine Ausschlussdiagnose. Finden sich bei Patienten zentrale Augenbewegungsstörungen wie sakkadierte Blickfolge, Blickrichtungsnystagmus, ist der Halmagyi-Kopfimpulstest unauffällig und lässt sich der Nystagmus durch visuelle Fixation nicht gut unterdrücken, ist die Diagnose einer Pseudoneuritis wahrscheinlich (3). Diese beruht entweder auf einer ischämischen oder entzündlichen Läsion im Eintrittsbereich des 8. Hirnnerven oder einem einseitigen Kleinhirninfarkt. Bei solchen Befunden sowie bei Patienten mit mehreren vaskulären Risikofaktoren sollte eine Magnetresonanztomografie des Schädels erfolgen, insbesondere, um eine Ischämie auszuschließen. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0748

Prof. Dr. med. Michael Strupp
Neurologische Klinik der Universität München Klinikum Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München
E-Mail: Michael.Strupp@med.uni-muenchen.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Dziadziola JK, Laurikainen EL, Rachel JD, Quirk WS: Betahistine ncreases vestibular blood flow. Otolaryngol Head Neck Surg 1999; 120: 400–5. MEDLINE
2.
Strupp M, Cnyrim C, Brandt T: Vertigo and dizziness: treatment of benign paroxysmal positioning vertigo, vestibular neuritis and Menère’s disease. In: Candelise L, ed.: Evidence-based Neurology – management of neurological disorders. Oxford: Blackwell Publishing 2007; 59–69.
3.
Cnyrim CD, Newman-Toker D, Karch C, Brandt T, Strupp M: Bedside differentiation of vestibular neuritis from central „vestibular pseudoneuritis“. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2008; 79: 458–60. MEDLINE
1. Dziadziola JK, Laurikainen EL, Rachel JD, Quirk WS: Betahistine ncreases vestibular blood flow. Otolaryngol Head Neck Surg 1999; 120: 400–5. MEDLINE
2. Strupp M, Cnyrim C, Brandt T: Vertigo and dizziness: treatment of benign paroxysmal positioning vertigo, vestibular neuritis and Menère’s disease. In: Candelise L, ed.: Evidence-based Neurology – management of neurological disorders. Oxford: Blackwell Publishing 2007; 59–69.
3. Cnyrim CD, Newman-Toker D, Karch C, Brandt T, Strupp M: Bedside differentiation of vestibular neuritis from central „vestibular pseudoneuritis“. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2008; 79: 458–60. MEDLINE

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