ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2008Regional unterschiedliche Prävalenz des metabolischen Syndroms - Daten zur primärärztlichen Versorgung in Deutschland: Schlusswort
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LNSLNS Die von Prof. Koch vorgebrachten Ergänzungen zu den von uns gemachten Beobachtungen um Erfahrungen aus anderen Ländern sind zielführend zur Einordnung der Ergebnisse. Die US-amerikanische Perspektive unterscheidet sich jedoch in einem ganz wesentlichen Punkt von der unsrigen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Stand 2004) sind in Deutschland rund 88 % der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger über die gesetzliche Krankenkasse (GKV) versichert, nur ungefähr 0,2 % sind nach eigenen Angaben ohne Versicherungsschutz. Zugangs- und Leistungsbeschränkungen der Krankenkassen können daher nicht, wie in weiten Teilen der USA, für regionale Unterschiede in der Diagnose und Therapie kardiovaskulärer Risikofaktoren verantwortlich gemacht werden. Ganz im Gegenteil sorgt das System der GKV in Deutschland dafür, dass sozioökonomische Unterschiede sich nicht in dem Umfang wie in den USA möglich und nachgewiesen in der Gesundheit des Einzelnen – ob Ost oder West – niederschlagen. Am Beispiel der Adipositas lässt sich belegen, dass regionale Unterschiede weit deutlicher ausfallen in den USA: Während in GEMCAS das Verhältnis von maximaler und minimaler Adipositasprävalenz für den Vergleich verschiedener Bundesländer bei maximal 1,4 für den Vergleich von Sachsen-Anhalt mit Bremen liegt, beträgt das Verhältnis > 2,0 für den Vergleich von Mississippi mit zum Beispiel Colorado (1). Auch ist die genetische Heterogenität in den USA sehr viel höher als in Deutschland. Die Ursachen der beschriebenen Unterschiede sind ohne jeden Zweifel multifaktoriell und folglich nur begrenzt direkt auf andere Länder übertragbar. Die interessante Frage hinsichtlich der Entwicklung des Gesundheitszustandes von ostdeutschen Bürgerinnen und Bürgern die nach Westdeutschland gezogen sind und umgekehrt, kann mit den GEMCAS-Daten nicht beantwortet werden. Das Thema der gesundheitlichen Ungleichheit und deren Entwicklung in Ost- und Westdeutschland ist unter anderem von Mielck und Mitarbeitern (2) sowie Nolte und McKee (3) bearbeitet worden.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.749b

Dr. rer. nat. Susanne Moebus MPH
Institut für Medizinische Informatik,
Biometrie und Epidemiologie
Universitätsklinikum Essen
Universität Duisburg-Essen
Hufelandstraße 55
45122 Essen
E-Mail: susanne.moebus@uk-essen.de

PD Dr. med. Peter Bramlage
Institut für Klinische Pharmakologie
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, TU Dresden
Fiedlerstraße 27, 01307 Dresden

Prof. Dr. rer. nat. Karl-Heinz Jöckel
Institut für Medizinische Informatik,
Biometrie und Epidemiologie
Universitätsklinikum Essen
Universität Duisburg-Essen
Hufelandstraße 55, 45122 Essen

Interessenkonflikt
Die Autoren Moebus und Jöckel erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht. Der Autor Bramlage erhielt finanzielle Unterstützung für Forschungsarbeiten und Vorträge von verschiedenen Pharmafirmen, die Studie wurde von der Firma Sanofi Aventis durch einen „unrestricted educational grant“ gefördert.
1.
CDC: State-Specific Prevalence of Obesity Among Adults – United States, 2005. MMWR 2005; 55: 985–8. MEDLINE
2.
Mielck A, Cavelaars A, Helmert U, Martin K, Winkelhake O, Kunst A: Comparison of health inequalities between East and West Germany. Eur J Public Health 2000; 10: 262–7.
3.
Nolte E, Mckee M: Changing health inequalities in East and West Germany since unification. Soc Sci Med 2004; 58: 119–36. MEDLINE
1. CDC: State-Specific Prevalence of Obesity Among Adults – United States, 2005. MMWR 2005; 55: 985–8. MEDLINE
2. Mielck A, Cavelaars A, Helmert U, Martin K, Winkelhake O, Kunst A: Comparison of health inequalities between East and West Germany. Eur J Public Health 2000; 10: 262–7.
3. Nolte E, Mckee M: Changing health inequalities in East and West Germany since unification. Soc Sci Med 2004; 58: 119–36. MEDLINE

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