ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2008Mitwachsende Herzklappen: Erfolgreiche OP bei vierjährigem Kind

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Mitwachsende Herzklappen: Erfolgreiche OP bei vierjährigem Kind

Dtsch Arztebl 2008; 105(43): A-2244 / B-1920 / C-1868

Grübler, Beate

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Vor der Implantation: Besiedlung eines Herzklappengerüsts mit Endothelzellen Foto: MHH
Vor der Implantation: Besiedlung eines Herzklappengerüsts mit Endothelzellen Foto: MHH
Ein vierjähriger Junge aus Stuttgart ist das erste Kind, das in Deutschland eine mitwachsende Herzklappe erhalten hat. Das Implantat stammt aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und wird derzeit von einer zu diesem Zweck gegründeten Firma zur Anwendung als Arzneimittel weiterentwickelt.

Unklarheiten bei der Einordnung der neuen Herzklappe als Arzneimittel oder Medizinprodukt sowie andere rechtliche Fragen waren der Grund, warum der Eingriff bisher noch nicht in Deutschland vorgenommen werden konnte – wohl aber in Moldawien, wo bereits 18 herzkranke Kinder eine mitwachsende Pulmonalklappe erhalten haben. Einer von ihnen ist ein jetzt 17-jähriger Junge, der seit sechs Jahren mit einer ausgetauschten Herzklappe lebt. Er erhielt als Erster die von dem MHH-Herzchirurgen Prof. Dr. med. Axel Haverich und seinen Mitarbeitern entwickelte biologische Klappe.

Deren Herstellung umfasst mehrere Schritte: Die Herzklappe eines Gewebespenders wird vollständig von Zellen befreit und anschließend mit Gefäßzellen des Empfängers besiedelt. Die so aufbereitete Klappe ist nach Implantation voll funktionsfähig und passt sich im Gegensatz zu herkömmlichen Klappen dem Größenwachstum des Herzens an. Eine gerinnungshemmende Therapie sei nicht nötig, erläuterte Haverich nach der Deutschland-Premiere der Herzklappen-OP in Hannover. Der kürzlich operierte Junge konnte schon nach zwei Wochen wieder in den Kindergarten gehen. Er habe nun gute Chancen, ohne weitere Austauschoperationen das Erwachsenenalter zu erreichen, so Haverich.

Die Lebenszeit herkömmlicher Klappen ist bei Kindern auf zwei bis fünf Jahre und bei Erwachsenen auf etwa zehn Jahre begrenzt – daraus ergibt sich ein hoher Bedarf an neuen biologischen Klappen weit über das Kindesalter hinaus. Auch seien bereits Aortenklappen nach dem neuen Verfahren hergestellt und bei drei moldawischen Kindern erfolgreich eingesetzt worden, sagte Haverich. Die Herzklappe vom neuen Typ wird nun im Rahmen von Studien geprüft, die Anwendung bleibt bis dahin dem Hersteller vorbehalten. Die Zulassung der als Arzneimittel eingeordneten Herzklappe ist für das Jahr 2012 geplant. Grü
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