ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2008IQWiG: Was leider meistens fehlt
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Wir haben den oben genannten Beitrag mit großem Interesse gelesen, besonders die darin geäußerten Überlegungen zur Anwendung von EbM auf individuelle Patienten und zur Berücksichtigung der Versorgungssituation in klinischen Studien. Die Bedeutung von praxisrelevanten, pragmatischen Studien („pragmatic RCTs“) wurde schon in den 1960er-Jahren erkannt. Leider sind solche Studien aber immer noch selten, obwohl sie die individuelle Patientenerfahrung gut widerspiegeln können. In der Praxis sprechen normalerweise nicht alle Patienten auf eine Therapie an. Zum Beispiel bewirken NSAR in der akuten Schmerztherapie oft entweder eine sehr gute oder eine sehr schlechte Schmerzminderung. Auch brechen Patienten häufig wegen Nebenwirkungen oder ausbleibendem Therapieerfolg eine Behandlung ab. So erreichen bei der Migränetherapie nur 25 Prozent der Patienten eine schnelle und dauerhafte Schmerzlinderung ohne Nebenwirkungen. RCTs, die den Wirknachweis einer neuen Therapie erbringen sollen, beschreiben meist einen durchschnittlichen Therapieerfolg, den aber nur wenige Patienten so erfahren. In dieser Hinsicht sind sie irreführend. Ein Lösungsansatz könnte eine „responder analysis“ (welcher Anteil der Patienten erreicht den gewünschten Therapieerfolg?) sein. Wirklich wichtig wäre es jedoch zu wissen, wie viele Patienten einen adäquaten Therapieerfolg erzielen, dabei, wenn überhaupt, tolerierbare Nebenwirkungen haben und auch weiterhin bereit sind, die Therapie fortzusetzen. Solche Daten hätten unmittelbare klinische Bedeutung; sie wären eine ausgezeichnete Grundlage für die klinische Entscheidungsfindung und die Erarbeitung von Richtlinien. Auch gesundheitsökonomische Aspekte könnten auf einer solchen Grundlage berücksichtigt werden.
Literatur bei den Verfassern
Dr. Sebastian Straube,
Prof. Henry McQuay,
Prof. Andrew Moore,
Pain Research and Nuffield Department of
Anaesthetics, University of Oxford, John Radcliffe Hospital, Level 6 West Wing, Oxford, OX3 9DU, UK
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