ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2008Leitlinien: Keine Führungsrolle
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Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) rühmt sich, 17 von 50 der deutschen S3-Leitlinien produziert zu haben und reklamiert entsprechend eine Führerschaft bei der Leitlinienentwicklung.

1. Aus Sicht der DEGAM seien hinter diese Selbstsicht einige große Fragezeichen gesetzt. Die Parallelität von DDG-Leitlinien zur gemeinsamen Arbeit aller Fachgesellschaften an einer gemeinsamen Nationalen Versorgungs-Leitlinie (NVL) Diabetes bedeutet gerade nicht ein „Gemeinsames Handeln aller Beteiligten“. Sie stellt vielmehr einen eklatanten Bruch der Verabredung dar, dass DEGAM und DDG keine eigenen Leitlinien zu einem solchen Kernthema wie dem der NVL Diabetes produzieren. Die DEGAM hatte ihre bereits angemeldete Leitlinie „Diabetes“ zurückgezogen, die DDG aber lässt sich nicht beirren, weiter eigene Leitlinien in die Welt zu setzen. Bereits die Bezeichnung S3-Leitlinie erscheint unangemessen, beinhaltet diese doch einen formellen Konsentierungsprozess unter Einbeziehung der anderen Fachgesellschaften. Die umfangreiche Detailkritik der DEGAM an der DDG-Leitlinie „Antihyperglykämische Therapie des Diabetes mellitus“ wurde aber nicht einmal zur Kenntnis genommen, geschweige dass irgendeine Art von formellem Gruppenprozess stattgefunden hätte.

2. Die im Artikel beschriebene Evidenzbasierung der DDG-Leitlinien steht auf tönernen Füßen: Eine Suchstrategie wird nicht dargestellt, wesentliche Literatur wie das Cochrane-Review zu Pioglitazon wurde nicht zur Kenntnis genommen, Empfehlungen wurden entgegen der Evidenzlage gegeben – z. B. zur Kombination Sulfonylharnstoffe und Metformin.

Eine Führungsrolle der DDG in Sachen Leitlinienentwicklung war und ist damit nicht gegeben.

Dr. med. Günther Egidi, Huchtinger Heerstraße 41, 28259 Bremen
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