ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997Thüringen: Gartenhaus der Ärzte

POLITIK: Aktuell

Thüringen: Gartenhaus der Ärzte

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen hat am 18. April offiziell ihr neues Kammergebäude in Jena eröffnet - Verwaltungsgebäude und Begegnungsstätte zugleich, wie Kammerpräsident Prof. Dr. Eggert Beleites hervorhob. Untergebracht sind in dem Neubau nämlich die Kammerverwaltung, das Versorgungswerk sowie die Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung. Man habe, so Beleites, ganz besonders darauf geachtet, funktionell und preiswert zu bauen. Verglichen mit anderen Verwaltungsbauten, könne man geradezu von einem "Gartenhaus unter den Ärztehäusern" sprechen. In der Tat, die Kammer hat ungewöhnlich preiswert gebaut: Für rund 3 700 qm Nutzfläche wurden, inklusive Grundstück, 9,4 Millionen DM aufgewendet. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von 2 500 DM. Entstanden ist ein sehr solides, einladendes und den Zwecken entsprechendes Haus am Rande der Stadt (siehe unten).
Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Dr. Karsten Vilmar, erinnerte in seinem Grußwort an die föderalen Strukturen in Deutschland. Es gelte, den Föderalismus zu pflegen, die Einheit darüber aber nicht zu vergessen. Vilmar bedauerte, daß auf Bundesebene Gesundheitspolitik kaum noch stattfinden könne, angesichts der parteipolitischen, auch im Bundesrat zum Ausdruck kommenden Divergenzen. Er forderte für die Gesundheitsreform einen "parteiübergreifenden Konsens der Vernunft". Thüringens KV-Vorsitzender, Dr. Wolf-Rüdiger Rudat - die KV hat sechs Wochen zuvor ihren Neubau in Weimar bezogen - rief zu ärztlicher Geschlossenheit auf. Zur Zeit sei die Ärzteschaft allerdings keine geschlossen agierende Berufsgruppe. Das sei für die Interessenvertretung nach außen sehr nachteilig. Der Präsident des Thüringer Landrats, Dr. FrankMichael Pietzsch, der selbst Arzt ist, appellierte an die Selbstverwaltung: "Lassen Sie als Ärzte uns in der Politik nicht im Stich." Die Politik brauche die fachkundige ärztliche Beratung. Pietzsch setzte sich dafür ein, die ärztliche Fortbildung nicht allein auf Wissensvermittlung auszurichten, sondern die individuelle ärztliche Verantwortung zu betonen. Er erwartet von der Ärzteschaft klare Antworten vor allem auf drängende ethische Fragen: "Sollen Ärzte all das tun dürfen, was ihnen technisch möglich ist?"
Bei der Eröffnungsveranstaltung wurde an eine Ärztin und zwei Ärzte, die beim Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung seit der Wende tatkräftig mitgewirkt haben und bis heute mitwirken, die Dr. Ludwig Pfeiffer Medaille verliehen, nämlich an Prof. Dr. Gisela Adam, Chirurgin und an der Jenaer Unversität tätig, Dr. Johannes-Martin Kasper, Kinderarzt und Chefarzt in Eisenach, sowie Dr. Mathias Wesser, Internist und Oberarzt in Suhl. Dr. Pfeiffer, nach dem die Medaille benannt ist, gehörte zu jenen Ärzten, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts neben ihrer ärztlichen Tätigkeit tatkräftig für öffentliche Belange eingesetzt haben, so für Fragen der Hygiene. Pfeiffer hat zudem Anteil am organisatorischen Aufbau des ärztlichen Vereinswesens nicht nur in Thüringen, sondern auch in Deutschland. Die Erinnerung an Pfeiffer bedeutet somit auch eine Erinnerung an die Begründung der Deutschen Ärztetage, die gerade in Thüringen ihre ersten Höhepunkte fanden. Nicht von ungefähr wird deshalb in diesem Jahr der 100. Deutsche Ärztetag in Eisenach zusammentreten. NJ
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