ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Honorarreform 2009: Was Ärzte verdienen

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Honorarreform 2009: Was Ärzte verdienen

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): A-2295 / B-1963 / C-1911

Rieser, Sabine

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Sabine Rieser Leiterin der Berliner Redaktion
Sabine Rieser
Leiterin der Berliner Redaktion
Unlängst wandte sich Dr. med. Axel Munte in einem Leserbrief an den „Stern“. Den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns hatte der Artikel „Was Kassenärzte wirklich verdienen“ gewurmt. Er verwies auf die Augenärzte und erläuterte, dass manche hohe Umsätze erzielten, beispielsweise weil sie spezialisierte Operationen vornähmen. Entsprechend seien aber die Betriebskosten. Andere kämen pro Quartal und Patient gerade einmal auf einen Fallwert von 24 Euro. Dies sei „wahrlich kein Betrag, der als üppig zu bezeichnen wäre“.

Dem wird niemand widersprechen. Aber welcher Umsatz wäre für niedergelassene Ärzte üppig, welcher gerade angemessen? Darauf geben weder Artikel wie der im „Stern“ noch der Leserbrief Antwort. Wer von den Ärzten wie viel verdient, interessiert allerdings viele, nicht zuletzt sie selbst. Deshalb wird über die Honorarreform 2009 heftig diskutiert.

Das staunende Publikum, dem man seine Unkenntnis über EBM-Punktmengen und Honorarverteilungsverträge kaum vorwerfen kann, versteht nicht, warum Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten mit 2,7 Milliarden Euro Honorarplus für 2009 nicht zufriedener sind. Einzelne KVen hatten bekanntlich umgehend Nachbesserungen bei der Verteilung angemahnt. Doch es ist ja eben nicht so, dass nun jeder niedergelassene Arzt und Psychologe 20 000 Euro mehr im Jahr von seiner KV überwiesen bekommt. Kein einzelner Arzt oder Psychologe weiß bisher, was 2009 sein wird. Vielmehr herrscht noch allgemeine Ratlosigkeit darüber, wie sich der Umsatz im nächsten Jahr entwickeln wird.

Zwar erhalten vier KVen mehr Geld als ursprünglich festgelegt, so viel ist nach der jüngsten Sitzung des Erweiterten Bewertungsausschusses am 23. Oktober sicher. Um rund 6,3 statt 3,9 Prozent werden die Honorare für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten Schleswig-Holsteins 2009 im Vergleich zu 2007 steigen. Im Bereich der KV Nordrhein erhöhen sie sich um rund 6,5 statt 3,6 Prozent. Auch Rheinland-Pfalz profitiert: Dort ist 2009 ein Honorarplus von 8,6 statt 5,7 Prozent möglich. Baden-Württemberg gewinnt ebenfalls: Statt 1,5 Prozent soll die Steigerung nun 2,5 Prozent betragen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung erklärte auf Nachfrage, das zugestandene Honorarplus in Bayern werde von 6,8 auf 6,3 Prozent reduziert, das in Bremen von 7,7 auf 7,6 Prozent. Die Verbesserung für die vier KVen beruht also vor allem auf Umverteilungseffekten. Etwas mehr Geld fließt aber für einige ausgewählte Bereiche wie das ambulante Operieren.

Doch so gut das alles klingt, noch ist es Theorie. „Der Bewertungsausschuss hat bundesweit Rahmenvorgaben geschaffen, die konkrete Ausgestaltung liegt nun bei Krankenkassen und KVen“, heißt es in Bayern. Dort sorgt man sich wie in fast allen KVen um die bisherigen extrabudgetären Leistungen. „Die Annahme, dass wir die extrabudgetären Leistungen sowohl qualitativ wie quantitativ eins zu eins übernehmen können, ist wohl realitätsfremd“, urteilte Dr. med. Achim Hoffmann-Goldmayer bei der jüngsten Ver­tre­ter­ver­samm­lung seiner KV Baden-Württemberg. Auch der Vergleich des neuen Orientierungswerts von 3,5 Cent und des angepeilten Punktwerts von 5,11 Cent verbittert trotz der Mengenaufwertungen viele.

Dazu kommt: Die Krankenkassen, verunsichert durch die neue Welt des Gesundheitsfonds und der strikteren Morbiditätsorientierung, verhandeln zögerlich mit den KVen und spielen offenbar bewusst auf Zeit bei Schiedsamtsterminen. Das alles gefährdet die rechtzeitige Bekanntgabe der Regelleistungsvolumen, der wichtigsten Bezugsgröße für die Ärzte im nächsten Jahr.

Was Kassenärzte 2009 wirklich verdienen? An Umsatz und Gewinn – schwer zu sagen. An Klarheit über ihre Einkommensmöglichkeiten und Fairness im Übergang von der alten zur neuen Honorarwelt – viel.
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