ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Mensch-Tier-Hybride: Unterhaus billigt Gesetz

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Mensch-Tier-Hybride: Unterhaus billigt Gesetz

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): A-2298 / B-1966 / C-1914

Richter-Kuhlmann, Eva

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Nur wenige Demonstranten: Die Gegner von Kuh- Mensch-Embryonen sind in Großbritannien in der Minderheit. Foto: dpa
Nur wenige Demonstranten: Die Gegner von Kuh- Mensch-Embryonen sind in Großbritannien in der Minderheit. Foto: dpa
Großbritannien wird bald eines der wenigen Länder sein, in denen hybride Mensch-Tier-Embryonen zu Forschungszwecken erzeugt werden können. Nach dritter Lesung stimmte das britische Unterhaus dem „Human Fertilisation and Embryology Bill“ mit großer Mehrheit zu. Das Gesetz kann 2009 in Kraft treten, wenn es das Oberhaus passiert hat. Dies ist zu erwarten, da die Verwendung von Mensch-Tier-Embryonen in Großbritannien auf wenig Widerstand stößt. Im Mai hatten bereits zwei britische Forschergruppen die Erlaubnis erhalten, solche Embryonen herzustellen.

Das Gesetz sieht vor, dass Embryonen aus entkernten tierischen Eizellen und Zellkernen von menschlichen Zellen bis zu 14 Tage entwickelt werden dürfen, um aus ihnen Stammzellen für die Forschung zu gewinnen. Zudem können transgene menschliche Embryonen erzeugt werden, die tierische Gene besitzen. Verboten ist, Mensch-Tier-Embryonen in den Uterus von Frauen oder von Tieren einzupflanzen. Eine andere Passage des Gesetzes gestattet es Eltern, passende Embryonen auszuwählen, denen für Geschwister, die an einer genetischen Krankheit leiden, Gewebe aus der Nabelschnur entnommen wird.

Kritiker wandten sich bereits vehement gegen das Gesetz. „Die Erzeugung von Mensch-Tier-Embryonen ist medizinisch höchst fragwürdig und ethisch verwerflich“, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe. „Forschung braucht Grenzen, damit sie nicht in Allmachtsfantasien abgleitet. Nicht alles, was machbar ist, sollte auch gemacht werden.“ Auch die Erzeugung von „Retter-Geschwistern“ durch Embryonenauswahl nach künstlicher Befruchtung sei ethisch außerordentlich bedenklich. Als Reaktion auf die britische Entscheidung forderte Hoppe einen ethischen Moralkodex für Ärztinnen und Ärzte in Europa. ER
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