ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Anonyme Geburt: Ethikrat erwägt Stellungnahme

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Anonyme Geburt: Ethikrat erwägt Stellungnahme

ddp; Rieser, Sabine

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Etwa 80 Babyklappen gibt es in Deutschland. Foto: dpa
Etwa 80 Babyklappen gibt es in Deutschland. Foto: dpa
Die Anzahl der bekannt gewordenen Kindstötungen in Deutschland hat sich nach Aussage von Experten seit Einführung der sogenannten Babyklappen vor acht Jahren nicht verringert. Darauf wies Ulrike Riedel, Mitglied im Deutschen Ethikrat, im Rahmen einer öffentlichen Anhörung des Gremiums zum Thema anonyme Geburt/Babyklappe Ende Oktober in Berlin hin. 2007 habe es sogar einen leichten Anstieg der Fallzahlen gegeben. Bis 2007 registrierten die Behörden im Schnitt 25 Kindstötungen pro Jahr.

Dem Ethikrat zufolge sind in Deutschland seit dem Jahr 2000 etwa 80 Babyklappen und 130 Orte für sogenannte anonyme Geburten eingerichtet worden. Die Anzahl der seither in Babyklappen und in Krankenhäusern anonym übergebenen Kinder variiert je nach Quelle: Die Bundesregierung geht von 143 in Babyklappen aufgefundenen und 88 anonym in Kliniken zurückgelassenen Säuglingen aus.

Erfolgreich ist Experten zufolge die Beratung junger Mütter, die ihr Kind „anonym“ zur Welt gebracht haben. Fünf von elf Müttern hätten nach einer Beratung ihre Anonymität gegenüber dem Kind aufgegeben, sagte Monika Kleine, Sozialdienst Katholischer Frauen, Köln. Kritiker der Hilfsangebote verweisen aber darauf, dass dadurch geltendes Recht verletzt werde. Denn jedes Kind habe ein grundgesetzlich geschütztes Recht auf Kenntnis seiner Abstammung.

Der Deutsche Ethikrat will die Diskussion um das Thema nun intern weiterführen und erwägt eine Stellungnahme. ddp, Rie
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