ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1997British Medical Journal: Beiträge deutscher Mediziner sehr willkommen

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British Medical Journal: Beiträge deutscher Mediziner sehr willkommen

Goldbeck-Wood, Sandra

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LNSLNS Mit weltweit 330 000 Lesern und einem hohen internationalen Zitierungsindex gilt das British Medical Journal als eine bedeutende Stimme in der internationalen medizinwissenschaftlichen und medizinpolitischen Debatte. Zusätzlich zu der Standardausgabe gibt es 19 regionale Ausgaben in anderen Sprachen, von Spanisch bis Russisch, eine monatlich erscheinende Ausgabe für Medizinstudenten sowie ein Online-Angebot. In den letzten fünf Jahren ist der Anteil der wissenschaftlichen Originalbeiträge, die nicht aus Großbritannien stammen, von 25 Prozent auf 31 Prozent angestiegen. Insbesondere aus Skandinavien, Frankreich, Italien und den Niederlanden stammen immer mehr Publikationen. Aus Deutschland kamen lediglich rund 30 Originalbeiträge jährlich.


Als deutschsprechende Fachredakteurin beim British Medical Journal (BMJ) hatte ich kürzlich die Gelegenheit, zwei Wochen beim Deutschen Ärzteblatt zu hospitieren. Aus Gesprächen mit journalistischen und ärztlichen Kollegen in dieser interessanten Zeit sind mir einige Gründe bekannt geworden, warum die deutsche Medizinwissenschaft nicht in dem Maße zu uns nach Großbritannien durchdringt, wie es wünschenswert wäre. Ein Grund mag die - aus unserer Sicht - in Deutschland stärkere Tendenz zur Grundlagenforschung sein, im Gegensatz zu unserer Neigung zu Forschung, die unmittelbar klinisch anwendbar ist. Teils mag es aber auch an sprachlichen oder kulturellen Berührungsängsten liegen, die weitgehend unbegründet sind. Deshalb möchte ich deutsche Wissenschaftler und Autoren herzlich einladen, auch an das BMJ als passenden Rahmen für ihre Arbeit zu denken.


Zielsetzungen des "Journals"
Aus diesem Grund möchte ich die Zielsetzung unserer Zeitschrift kurz vorstellen.
Wir vom BMJ wollen den Ärzten weltweit helfen, Medizin besser zu praktizieren, wir wollen die Gesundheitsdebatte beeinflussen und der Fortbildung dienen. Unter Bildung verstehen wir dabei mit dem irischen Schriftsteller William Butler Yeats "weniger das Füllen eines Eimers als das Anzünden eines Feuers". Um diese Ziele zu erreichen, veröffentlichen wir wissenschaftliche Originalstudien, Review-Artikel und Papers, die die klinischen, wissenschaftlichen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aspekte des Gesundheitswesens betreffen. Insbesondere begrüßen wir in unserem "general practice"-Teil auch Forschungsberichte aus der Allgemeinmedizin. Wir können nur 12 Prozent aller Artikel veröffentlichen, die bei uns eingehen, bemühen uns aber, schnelle Entscheidungen zu treffen. Die Fachredakteure in London stehen für telefonische oder briefliche Beratungsgespräche gerne zur Verfügung.

An deutscher Forschung interessiert
Auf jeden Fall ist das BMJ an Forschungsergebnissen aus Deutschland interessiert. Wir sind uns zunehmend bewußt, daß das Gesundheitswesen und die Ärzte weltweit mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, sei es in Großbritannien, Dänemark, Amerika oder Deutschland. Alle kämpfen wir mit der Problematik der Qualitätssicherung und -erhaltung bei begrenzten oder schwindenden Ressourcen; alle versuchen wir, wissenschaftlich fundierte Medizin zu praktizieren und gleichzeitig für die Fortbildung zu sorgen. Hier beim BMJ glauben wir, solche Fragen aus einer die Landesgrenzen übergreifenden Perspektive auch für das eigene Land am besten beantworten zu können.
Lassen Sie sich als Autor nicht abschrecken, wenn Ihre Englischkenntnisse nicht perfekt sind. Wir suchen keine sprachlich-stilistische Fehlerfreiheit, sondern vielmehr eine sinnvolle Zusammenarbeit mit Autoren interessanter Forschungsartikel. In erster Linie interessiert uns klinisch relevante und methodologisch gute Wissenschaft; was inhaltlich stimmt, wird von unseren Redakteuren sprachlich weiterbearbeitet.


Auswahlkriterien Unser Idealbeitrag ist interessant, original, thematisch wichtig, für Generalisten relevant und von methodologisch hoher Qualität. Bei den Originalbeiträgen legen wir Wert auf die unmittelbare klinische Relevanz. Nach diesen Kriterien wird jeder Artikel von mindestens zwei Fachredakteuren, gegebenenfalls mit Hilfe von einem oder mehreren Gutachtern, beurteilt. "Original papers" sollten maximal 2 000 Wörter lang sein, maximal 6 Tabellen oder Illustrationen und maximal 24 Literaturangaben enthalten. Sie sollten Originalforschung auf eine dem Leser einer medizinischen Allgemeinzeitschrift zugängliche Art und Weise vermitteln. Genauere Vorschriften können in unseren Richtlinien für Autoren (instructions to authors) in der BMJ-Ausgabe vom 4. Januar 1997 nachgelesen oder bei uns angefordert werden. Nachstehend eine Übersicht über einige Rubriken im BMJ:
"Short Reports" sind kurze wissenschaftliche Originalberichte von maximal 400 Wörtern, einer Tabelle und fünf Referenzen. "Education and Debate"-Artikel werden zum Teil von uns bestellt. Unaufgeforderte Berichte bis zu 2 000 Wörter sind aber auch willkommen und werden von einem externen Gutachter beurteilt. Dazu gehören sowohl wissenschaftliche Review-Artikel als auch Beiträge, die breitere gesundheitsrelevante Themen betreffen.
"Editorials" werden meistens bestellt, aber unaufgeforderte Beiträge von etwa 800 Wörtern werden auch erwogen und einem externen Gutachter zugeschickt.
"Lessons of the week" sind meistens Kasuistika, die eine allgemeine Leserschaft auf ein potentielles klinisches Problem hinweisen, das als eine allgemeingültige "Lehre" dienen könnte. Sie sind meistens kürzer als 1 200 Wörter und sollen in einem einzigen Satz ihre Hauptnachricht zusammenfassen.
"Letters to the editor" sind bei uns überwiegend Briefe, die sich auf Artikel beziehen, die bei uns erschienen sind. Sie sollten nicht mehr als 400 Wörter lang sein. "Drug points" ist unser Forum für die Erläuterung ungewöhnlicher oder unbekannter Reaktionen im Zusammenhang mit Medikamenten. Die gewünschte Maximallänge beträgt 600 Wörter und fünf Literaturangaben.
"Personal view" gibt die Möglichkeit, in etwa 1 000 Wörtern Freude, Angst, Hoffnung, Groll oder Empörung zu irgendeinem Thema Raum zu geben - natürlich im Rahmen der Medizin, großzügig definiert.
"Medicine and the media" bietet eine Möglichkeit, Medienpräsentationen von gesundheitsrelevanten Themen zu besprechen. Darunter fallen Rezensionen von Fernsehsendungen oder von Diskussionen.
"Obituaries." Entgegen dem Eindruck, der bei der Lektüre der "Nachrufe" unserer Zeitschrift entstehen könnte, sind wir uns bewußt, daß nicht nur britische Ärzte sterben. Weitere Angaben erhalten Sie in unseren Hinweisen für Autoren. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag!


Sandra Goldbeck-Wood,
Cambridge

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