Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Auch wenn die in dem Artikel dargelegten Gründe rechtlich stichhaltig sind – dies mag ich als Mediziner nicht zu beurteilen –, so ist die Aussage des Artikels, dass sich Ärzte strafbar machen, wenn sie Eingriffe aus religiösen Gründen durchführen, problematisch. Es wird dazu aufgefordert, solche Eingriffe zu unterlassen, um sich nicht der Körperverletzung schuldig zu machen. Diese Argumentation kann ich nachvollziehen bei Praktiken, die einen definitiven Schaden hervorbringen, wie zum Beispiel bei der sogenannten weiblichen Beschneidung, die einer sexuellen Verstümmelung gleichkommt. Hier wird von vielen nationalen und internationalen Organisationen ein Ende dieser barbarischen Tradition gefordert. Offensichtlich wird dies in den betroffenen Ländern auch zunehmend umgesetzt. Es wird jeder einsehen, dass dieser Eingriff, ganz gleich mit welcher Begründung, den Strafbestand einer schweren Körperverletzung erfüllt! Gänzlich anders ist es aber bei der traditionellen männlichen Beschneidung. Diese wird sowohl im Judentum als auch im Islam praktiziert. Dass die Zirkumzision von der zweitgrößten Religionsgemeinschaft der Welt propagiert wird, sollte als Argument Gewicht haben in einer rechtlichen Auseinandersetzung. Es ist auch gut vorstellbar, dass eine spezielle Aufklärung der Eltern vor dem Eingriff gefordert wird. Diesen Eingriff aber komplett abzulehnen, halte ich für sehr problematisch! Die Konsequenz wird nicht sein, dass die Zirkumzision in ein höheres Lebensalter verschoben wird, sondern sie wird wieder verstärkt von Verwandten und anderen Beschneidungsfachleuten auf dem Küchentisch im häuslichen Umfeld stattfinden. Die Konsequenzen im Hinblick auf Hygiene, Infektionsrisiko und Nachblutungskomplikationen kann sich jeder ausmalen! Aus gutem Grund habe ich als Entwicklungshelfer des Deutschen Entwicklungsdienstes damals in Westafrika, am Schluss meines Aufenthalts, die Zirkumzision kostenlos angeboten, um den entsprechenden Praktiken auf Marktplätzen und Hinterhöfen entgegenwirken zu können. Die zum Teil verheerenden Komplikationen mussten ja vom Krankenhaus aufgefangen werden, wenn die Patienten nicht vorher verstarben! An solchen Zuständen kann hier niemand ein Interesse haben . . .

Dr. med. Benno Kretzschmar,
St.-Georg-Klinikum Eisenach gGmbH,
Mühlhäuser Straße 94–95, 99817 Eisenach
Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige