ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Kriminalroman: Stilsicher und ohne Schörkel

KULTUR

Kriminalroman: Stilsicher und ohne Schörkel

Gerst, Thomas

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H. C. Boginski: Herzfrost. Droste, Düsseldorf 2008, 304 Seiten, broschiert, 10 Euro
H. C. Boginski: Herzfrost. Droste, Düsseldorf 2008, 304 Seiten, broschiert, 10 Euro
Manchmal könnte man es gut verstehen, wenn ein Arzt oder eine Ärztin, der/die sich als Autor/in versucht, das Werk unter einem Pseudonym veröffentlichen würde. Denn es ist mitunter nicht das reine Gold, was aus ärztlicher Feder fließt. In diesem Fall aber wäre eine solche Form des Selbstschutzes nicht nötig geworden; denn dieser Krimi aus Ärztinnen-hand entpuppt sich als wirkliches Lesevergnügen.

Hier arbeitet jemand stilsicher ohne überflüssige Randverzierungen. Die Charakterisierung der Hauptpersonen gelingt überzeugend, und die Dialoge sind überraschend gut geschrieben. Und im Krankenhaus-milieu kennt sich die Autorin ohnehin gut aus. Die Handlung nimmt überraschende Wendungen, aber nie hat man das Gefühl, dass hier jemand seiner Fantasie ungeordnet freien Lauf gelassen hat.

Hauptkommissar Franz Bender arbeitet für die Düsseldorfer Mordkommission, raucht zu viel und hat Beziehungsprobleme. Die am Rheinufer angeschwemmte Leiche einer Frau gibt ihm Rätsel auf. Während er noch nach Spuren sucht, stirbt weit entfernt in Litauen ein Mann kurz nach der Implantation eines Herzschrittmachers. Wie diese beiden Stränge miteinander verwoben sind, erschließt sich nach und nach bei der Lektüre. Es geht um betrügerische Machenschaften mit Medizinprodukten und auch um die Verstrickung von Ärzten in Aktivitäten der DDR-Staatssicherheit. Und mehr sollte hier nicht verraten werden, damit sich die Lektüre noch lohnt. Thomas Gerst
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