ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Joseph Beuys: Zwölftausend!

KULTUR

Joseph Beuys: Zwölftausend!

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): A-2340 / B-1998 / C-1046

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Geiger, Beuys, Nöfer – Aufbruch 1968

Die unscheinbare kleine Holzkiste gehört zu den bekanntesten Werken von Joseph Beuys. Von 1968 bis 1985 wurden circa 12 000 Exemplare produziert. In jede der von einem Schreiner angefertigten Kisten schrieb Beuys eigenhändig mit einem Bleistift das Wort „Intuition“, darunter zeichnete er eine beidseitig mit einem senkrechten Strich begrenzte Linie. Etwas tiefer befindet sich eine links zaghaft, kaum sichtbar beginnende Linie, die kräftiger werdend auf der rechten Seite ebenfalls mit einem senkrechten Strich endet. Während der obere Strich, die klar begrenzte Strecke, als Sinnbild für logisches Denken gesehen werden kann, entspräche der untere dem Verlauf eines intuitiven, kreativen Prozesses. Dieser beginnt im Ungefähren, Unbewussten, wenig Fassbaren, führt dann aber ebenfalls zu einem klaren Ende, einem Entschluss „aus dem Bauch“. Für Beuys war es stets wichtig, auf die Begrenztheit rein logischen Denkens hinzuweisen. Immer wieder betonte er die Notwendigkeit einer Wieder-anbindung unseres Denkens und Handelns an unbewusste und vorbewusste Prozesse, an die individuelle wie auch kollektive Vorgeschichte. Welche große Bedeutung Intuition, „laterales Denken“ et cetera für Entscheidungen in der Psychotherapie, in den Wissenschaften und selbst im nüchternen Geschäftsleben haben, ist heute allgemein anerkannt. Dass Beuys eine Holzkiste – statt eines Blatts Papier – wählte, um seine kleine Zeichnung zu transportieren, eröffnet zahlreiche weitere Assoziationsmöglichkeiten. Die leere Kiste kann zum Beispiel als Aufforderung verstanden werden, sie zu nutzen, mit Notizzetteln oder Gegenständen zu füllen. Sie kann aber auch leer bleiben als ein stets offenes Gefäß für die immateriellen Ideen. Vermutlich hätte Beuys in diesem Zusammenhang einem Gedicht von Bertolt Brecht zustimmen können: „Geh ich zeitig in die Leere / komm ich aus der Leere voll. / Wenn ich mit dem Nichts verkehre / weiß ich wieder, was ich soll. / Wenn ich liebe, wenn ich fühle / ist es eben auch Verschleiß. / Aber dann, in der Kühle / werd ich wieder heiß.“


Biografie Joseph Beuys
Geboren 1921 in Krefeld. Nach Teilnahme am Zweiten Weltkrieg von 1947 bis 1951 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ewald Mataré, von 1961 bis 1972 Professur dort. Mit seinen „Aktionen“, seiner Vorstellung eines „erweiterten Kunstbegriffs“ und der Einführung neuer Materialien (Fett, Filz, Schwefel et cetera) hat er als Künstler und als Lehrer großen Einfluss auf die Entwicklung der Kunst genommen. Erster deutscher Künstler, dem das Guggenheim-Museum in New York 1979 eine Einzelausstellung einrichtete. Ausgedehnte politische Tätigkeit, unter anderem bei den Grünen. Gestorben 1986 in Düsseldorf.
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