ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Börsebius: Mit ETF alle Sorgen los?

GELDANLAGE

Börsebius: Mit ETF alle Sorgen los?

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): A-2345 / B-2001 / C-1949

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Von 1 000 Fondsmanagern schlagen 900 den Index nicht. So oder ähnlich steht es seit Jahren in den Medien, und wir nehmen das nahezu gottergeben hin. Sind die Jungs dort alle zu doof, eine vernünftige Performance zu erwirtschaften, oder warum in aller Welt soll es nur einer handverlesenen Schar von Spitzenbankern vorbehalten sein, besser als irgendeine Messlatte namens DAX, STOXX oder Dow Jones zu sein?

Natürlich sind Fondsmanager keine Horde von unfähigen Depotfummlern, denen sonst im Leben nichts zuzutrauen ist. Da sind teilweise ganz Schlaue drunter, und einige wenige Unfähige gibt es allerorten. Die unbestrittene Tatsache, dass diese Leute wahrhaftig im großen Schnitt ihre Indices nicht schlagen, hängt einzig damit zusammen, dass die fondsimmanenten Kosten (fixe Aufwendungen, Wertpapierspesen, hohe Umschichtungszahlen) dermaßen hoch sind, dass es dem zuständigen Manager fast unmöglich ist, den zugehörigen Index zu schlagen; von ein paar wenigen einmal abgesehen (deren Namen im Übrigen in der nächsten Beobachtungsrunde durchaus wechseln können).

Wenn dem so ist, muss eben ein neues Produkt her, dachten sich wohl findige Bankmanager. Kunden, die darauf fliegen, wird es ja dann wohl auch geben. Und so kam es, wie es kommen musste, die Geburtsstunde der Exchanche Traded Funds (ETF) war gekommen. Dabei handelt es sich um passiv – also gar nicht – gemanagte Fonds, die einen Index eins zu eins abbilden und mit Gebühren zwischen 0,1 und einem Prozent ganz wenig kosten. Und siehe da, ETF wurden zu einem richtigen Renner. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres wurden in Europa ETF für 100 Milliarden verkauft, und wen wundert’s, nahezu 40 Prozent in Deutschland.

Bevor ETF als mögliche Wunderwaffe hoch gelobt, als Heilmittel für alles und jedes beschworen werden, gilt es doch, einen Augenblick innezuhalten und den Kern dieses Produkts auszuleuchten. Zunächst einmal sind ETF niemals performanceorientiert, da sie eben lediglich einen Index passgenau nachbilden. Fällt dieser, fällt der ETF, steigt dieser, steigt der ETF im exakt gleichen Verhältnis, was nichts anderes bedeutet, als dass die Fußkranken (eines Index) mit durchgeschleppt werden. Ist das wirklich so aufregend? Dividenden erhält im Übrigen in aller Regel nicht der Kunde, sondern der ETF-Initiator.

So toll ist das Geschäft also nicht. Ein durchschnittliches Produkt, und mehr ist ein ETF nicht, wird nicht dadurch besser, dass es möglicherweise besser ist als ein normal gemanagter Fonds.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 1. November 2008 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80-17). Die kostenlose Telefonberatung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.