ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Sterblichkeitsrisiko von Frauen und Männern nach Myokardinfarkt – Eine Analyse stationärer Abrechnungsdaten: Sterberisiko jüngerer Frauen nicht signifikant verschieden von dem älterer Frauen

MEDIZIN: Diskussion

Sterblichkeitsrisiko von Frauen und Männern nach Myokardinfarkt – Eine Analyse stationärer Abrechnungsdaten: Sterberisiko jüngerer Frauen nicht signifikant verschieden von dem älterer Frauen

Mortality Following Myocardial Infarction in Women and Men: Death Risk of Younger Women Does Not Differ Significantly From That of Older Women

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): 763; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0763a

Dören, Martina

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LNSLNS Es ist zu begrüßen, dass ein geschlechtsspezifischer Blick auch auf Abrechnungsdaten von Kranken­haus­auf­enthalten gelegt wird, um womöglich bestehende Ungleichheiten der medizinischen Versorgungsqualität zu analysieren.

Die Autorinnen und Autoren formulieren, dass die 1-Jahres-Sterblichkeit bei Frauen im Vergleich zu Männern etwas geringer ist (altersadjustierte Odds ratio 0,93; 95-%-Konfidenzintervall 0,91 bis 0,96; Tabelle 2). Andererseits führen sie aus, dass bei manchen Formen von transmuralen Hinterwandinfarkten die Sterblichkeit bei Frauen „geringradig nicht signifikant“ erhöht sei; jedoch schließt das Konfidenzintervall 1 ein (altersadjustierte Odds ratio 1,08; 95-%-Konfidenzintervall 0,95 bis 1,23; Grafik 1). Bei Frauen < 50 Jahren soll die 30-Tage-Sterblichkeit etwas erhöht sein, jedoch zeigt sich auch hier, dass das Konfidenzintervall 1 einschließt, wie auch bei anderen Altersgruppen; die Vertrauensbereiche werden umso größer, je geringer das Lebensalter ist (Grafik 2). Nach meinem Verständnis liegen keine belastbaren statistischen Hinweise der analysierten Datensätze vor, um offenkundige Defizite in der Versorgung nach Herzinfarkt bei Frauen, orientiert an Daten zur Sterblichkeit, aufzuzeigen. Offenbar bestehen auch in Herzinfarktregistern wie MONICA/KORA keine manifesten Hinweise, dass Frauen schlechter versorgt werden (1), wenn Endpunkte wie Herzinfarktraten und Re-Infarktraten betrachtet werden. Warum gerade bei jüngeren Frauen in dieser süddeutschen Region im Alter von 25 bis 54 Jahren jedoch mehr Herzinfarkte in den Jahren 2001 bis 2003, verglichen mit 1985 bis 1987, diagnostiziert wurden, bei Verminderung von Infarkten bei älteren Frauen (55 bis 74 Jahre), ist unklar. Womöglich haben sich Risikofaktorprofile über die Zeit und in den Altersgruppen unterschiedlich verändert; nicht zuletzt hat möglicherweise auch die vielleicht gesteigerte ärztliche Aufmerksamkeit in der Behandlung von Herzerkrankungen einen Einfluss (2). DOI: 10.3238/arztebl.2008.0763a


Prof. Dr. med. Martina Dören
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
E-Mail: Martina.Doeren@charite.de

Interessenkonflikt
Die Autorin ist Mitglied eines beratenden Arbeitskreises des Internetportals „Frauengesundheit und Gesund­heits­förder­ung“ der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung).
1.
Löwel H, Meisinger C, Heier M, Hörmann A, von Scheidt W: Herzinfarkt und koronare Sterblichkeit in Süddeutschland. Dtsch Arztebl 2006; 103 (10): A 616–22. VOLLTEXT
1. Löwel H, Meisinger C, Heier M, Hörmann A, von Scheidt W: Herzinfarkt und koronare Sterblichkeit in Süddeutschland. Dtsch Arztebl 2006; 103 (10): A 616–22. VOLLTEXT
2. Robert-Koch-Institut, Statistisches Bundesamt (Hrsg): Löwel H: Koronare Herzkrankheit und akuter Myokardinfarkt, Heft 33, 2006.

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