ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter – Diagnostik, Ätiologie und Therapie: Ausschlussdiagnose

MEDIZIN: Diskussion

Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter – Diagnostik, Ätiologie und Therapie: Ausschlussdiagnose

Attention Deficit Hyperactivity Disorder in Adulthood: Exclusion Diagnosis

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): 764; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0764a

Calia, Giulio

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LNSLNS Dem Phänomen der zu wenig diagnostizierten ADHS im Erwachsenenalter steht die Zahl häufig (fehl) diagnostizierter ADHS-Fälle im Kindes- und Jugendalter gegenüber. ADHS sollte immer eine Ausschlussdiagnose sein, das heißt, sämtliche alternativen somatischen oder psychiatrischen Differenzialdiagnosen und psychodynamischen Erklärungsansätze sollten ausgeschlossen werden. Daher gehört die Diagnostik und Behandlung der ADHS meines Erachtens auch in die Hände von Kinder- und Jugendpsychiatern und Psychiatern. Ergänzend zum Artikel möchte ich neben der Anwendung von Symptomevaluationsbögen, zum Beispiel nach ICD-10 und deren Adaption an das Erwachsenenalter auch zu „Doppelblindversuchen“ mit Metyhlphenidat nach Einverständnis des Patienten zu Diagnostikzwecken ermutigen (Placebo versus Methylphenidat), um bei deutlich positiver Medikamentenwirkung, die aufgrund der raschen Wirkung zeitnah festgestellt werden kann, einen zusätzlichen Hinweis auf die Diagnose zu erhalten. Auch Schriftproben unter Metyhlphenidat können bei deutlich gebessertem Schriftbild hinweisend auf die Diagnose sein sowie Konzentrationsverlaufstestungen mit und ohne Metyhlphenidat. Eine fundierte Testdiagnostik (Depression, Intelligenz, Persönlichkeit, Konzentration) ist bei der ADHS-Diagnostik im Kindes- und Jugendalter Standard und sollte zumindest partiell auch im Erwachsenenalter meines Erachtens erwogen werden (zum Beispiel mittels BDI [Becks Depressions Inventar], HAWIE [Hamburg Wechsler Intelligenztest für Erwachsene], Persönlichkeitsfragebögen, KVT [Konzentrationsverlaufs-Test]). Das Problem des „off label use“ ist uns Kinder- und Jugendpsychiatern bei den meisten psychopharmakologischen Optionen leider bestens bekannt, zum Beispiel im Bereich der Atypika. Hier sind die Pharmaindustrie und die Gesundheitspolitik gefragt, unnötige Hürden zu beseitigen. Ich hoffe, die Erkennung und Behandlung von ADHS über das Jugendalter hinaus kann sich etablieren.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0764a

Giulio Calia
LWL-Klinik Hamm
Heithofer Allee 64
59071 Hamm
E-Mail: g.calia@wkp-lwl.org

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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