ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter – Diagnostik, Ätiologie und Therapie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter – Diagnostik, Ätiologie und Therapie: Schlusswort

Attention Deficit Hyperactivity Disorder in Adulthood: In Reply

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): 765-6; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0766

Philipsen, Alexandra

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LNSLNS Verlaufsbeurteilung unter Methylphenidat
Analog zum Kindesalter zeigen sich im klinischen Alltag auch bei Erwachsenen häufig Verbesserungen des Schriftbildes. Auch Einfach- oder (in der Praxis schwerer durchzuführende) Doppelblindversuche könnten angewendet werden, um die Notwendigkeit der Fortführung der medikamentösen Behandlung zu überprüfen. Die diagnostische Aussagekraft der Wirksamkeit von Methylphenidat zum Beispiel in Einfach- oder Doppelblindversuchen wird jedoch aufgrund der Responserate von circa 75 % eingeschränkt (1). Auch Patienten, die nicht respondieren, können von ADHS betroffen sein. Fragebögen und neuropsychologische Tests können die Diagnostik und Verlaufsbeurteilung sinnvoll ergänzen.

Sucht (THC) und ADHS
Wie im Artikel beschrieben, stellen Suchterkrankungen eine sehr häufige Komorbidität und Differenzialdiagnose bei ADHS im Erwachsenenalter dar. Daher ist eine engmaschige Überwachung des Drogenkonsums indiziert. Bei komorbider Sucht sollte eine Stimulanzienbehandlung nur unter kontrollierten Bedingungen (Drogenscreenings) erfolgen.

Primäres und sekundäres ADHS
Herr Vogel hat natürlich völlig Recht, wenn er darauf hinweist, dass die Einteilung in eine primäre und sekundäre ADHS bislang noch nicht allgemein etabliert und Konsens ist. Dennoch halten wir sie für sinnvoll. Die Patientenuntergruppe, auf die wir mit dieser Einteilung hinweisen möchten, ist aber nicht die mit klar erkennbaren organischen Psychosyndromen im Sinne der klassischen Frontalhirnsyndrome (auf die Herr Vogel abzielt und bei denen das ADH-Syndrom nur einen Teilbereich einer viel breiteren Psychopathologie darstellt). Vielmehr soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass es Untergruppen von Patienten gibt, bei denen das psychopathologische Bild identisch mit dem der primären, vorwiegend genetisch bedingten ADHS ist. Zustatzbefunde wie etwa EEG-Auffälligkeiten, stattgehabte Geburtskomplikationen oder Enzephalitiden in der Vorgeschichte oder etwa eine klinisch-remittierte Pyknolepsie können dann aber auf eine sekundäre und eben nicht primär-genetisch bedingte Pathogenese hinweisen, ohne dass das klinische Bild über das einer klassischen ADHS hinausgeht. Hier kann die Einteilung in eine primäre und sekundäre ADHS zum einen helfen zu erklären, wieso in einer großen Untergruppe der Betroffenen eben keine positive Familienanamnese zu erheben ist. Darüber hinaus kann diese Unterteilung durchaus therapeutische Relevanz haben zum Beispiel wenn es um die Frage geht, ob Substanzen wie Carbamazepin (für das mehrere positive Doppelblindstudien zum Einsatz bei ADHS vorliegen) oder Valproat im Rahmen einer Off-Label-Medikation versucht werden sollten.

Differenzialdiagnose Östrogenmangelsyndrom
Für die Diagnosestellung einer ADHS im Erwachsenenalter ist gefordert, dass bereits im Kindesalter entsprechende Symptome vorhanden waren. Es handelt sich nicht um eine phasenhaft verlaufende oder erst im Erwachsenenalter sich manifestierende Störung. Diese Kriterien sollten bei der Abgrenzung zu einem differenzialdiagnostisch erwähnenswerten oder komorbiden Östrogenmangelsyndrom (zum Beispiel in der Menopause) berücksichtigt werden.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0766

LITERATUR
1. Faraone SV, Spencer T, Aleardi M, Pagano C, Biederman J:
Meta-analysis of the efficacy of methylphenidate for treating adult attention-deficit/hyperactivity disorder. J Clin Psychopharmacol 2004; 24: 24–9.

Dr. med. Alexandra Philipsen
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 5
79104 Freiburg
E-Mail: alexandra.philipsen@uniklinik-freiburg.de

Interessenkonflikt
Dr. Philipsen erhielt Honorare für Vorträge und Beratungstätigkeiten sowie
Reisekostenübernahmen der Firmen Medice, Janssen-Cilag, Novartis, Lilly. Zudem bekam sie Forschungsförderung von den Firmen Medice und Janssen-Cilag.
1.
Faraone SV, Spencer T, Aleardi M, Pagano C, Biederman J: Meta-analysis of the efficacy of methylphenidate for treating adult attention-deficit/hyperactivity disorder. J Clin Psychopharmacol 2004; 24: 24–9. MEDLINE
1. Faraone SV, Spencer T, Aleardi M, Pagano C, Biederman J: Meta-analysis of the efficacy of methylphenidate for treating adult attention-deficit/hyperactivity disorder. J Clin Psychopharmacol 2004; 24: 24–9. MEDLINE

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