ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008S3-Leitlinien-gerechte Versorgung von Patientinnen mit Mammakarzinom – aktueller Stand in Schleswig-Holstein: Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse

MEDIZIN: Diskussion

S3-Leitlinien-gerechte Versorgung von Patientinnen mit Mammakarzinom – aktueller Stand in Schleswig-Holstein: Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse

Guideline-Compatible Treatment of Breast Cancer Patients – The Status Quo in Schleswig-Holstein: Language is the Source of All Misunderstandings

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): 767; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0767a

Stadler, Peter

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LNSLNS Mit Erschrecken habe ich als Strahlentherapeut vernommen, dass anscheinend in Schleswig-Holstein statt weniger als 10 % über 35 % der Mammakarzinompatientinnen eine Strahlentherapie der Axilla erhalten. Die Indikation für eine klassische Strahlentherapie der Axilla – also Level I bis II, fakultativ auch Level III – wird zumindest im Tumorzentrum München sehr eng gesehen (1). Als Alternative zur Axilladissektion ist sie in ausgewählten Fällen eine Option (2) – nach Axilladissektion ist sie nur bei hohem lokalem Rezidivrisiko vertretbar (1).

Möglicherweise kennen die Autoren die Zielvolumenkonzepte beim Mammakarzinom nicht genau.

Beim Standard Zielvolumenkonzept nach brusterhaltender Therapie und Axilladissektion ist bei N0-Status der Lymphabfluss zwar nicht Zielvolumen (ZV), trotzdem wird bei der Behandlung der Brust die ventrocaudale Axillarregion miterfasst. Bei pN+ -Status sollte, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind (1), der angrenzende, paraclaviculäre Lymphabfluss strahlentherapiert werden. Bei diesem Zielvolumen sind Anteile des craniomedialen axillären LAG (Lymphabflussgebiet) miterfasst, aber auch hier ist der operierte Anteil der Axilla (also Level I und II) nicht Gegenstand der Strahlentherapie.

Die Autoren fragten nach einer Radiatio der Axilla. Wenn damit die Therapie des paraclaviculären LAG gemeint war, ist die Frage falsch gestellt, weil die Axilla so gut wie gar nicht in diesem ZV enthalten ist. Wenn mit der Frage jede auch teilweise Mitbehandlung der Axilla gemeint war, hätten fast alle Patientinnen mit „ja“ antworten können.

Wir Strahlentherapeuten sind wie kaum ein anderes Fach auf das Vertrauen und Wohlwollen unserer Zuweiser angewiesen. Wir könnten uns eine Fehlversorgung oder genau genommen Kunstfehler bei 25 % unserer Patientinnen gar nicht leisten, daher bezweifle ich die These einer Fehlversorgung ernsthaft.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0767a


Dr. med. Peter Stadler
Bunsenstraße 215
71032 Böblingen
E-Mail: Peter.Stadler@web.de
1.
Schaffer P, Atavesen B, Herbst M et al.: Radioonkologische Behandlung. In: Janni W (Hrsg): Manual Mammakarzinome, Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge. München, Wien, New York: Zuckschwerdt Verlag 2007; 11 Auflage: 114–27 (verfügbar unter: http://tumorzentrum-muenchen.de).
2.
Stadler P: Die regionale Strahlentherapie ist ebenso effektiv wie die Axilladissektion. Eine vertretbare Alternative zur kompletten Axilladissektion. InFoOnkologie 2008; 11: 94–5.
1. Schaffer P, Atavesen B, Herbst M et al.: Radioonkologische Behandlung. In: Janni W (Hrsg): Manual Mammakarzinome, Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge. München, Wien, New York: Zuckschwerdt Verlag 2007; 11 Auflage: 114–27 (verfügbar unter: http://tumorzentrum-muenchen.de).
2.Stadler P: Die regionale Strahlentherapie ist ebenso effektiv wie die Axilladissektion. Eine vertretbare Alternative zur kompletten Axilladissektion. InFoOnkologie 2008; 11: 94–5.

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