ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2008S3-Leitlinien-gerechte Versorgung von Patientinnen mit Mammakarzinom – aktueller Stand in Schleswig-Holstein: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

S3-Leitlinien-gerechte Versorgung von Patientinnen mit Mammakarzinom – aktueller Stand in Schleswig-Holstein: Schlusswort

Guideline-Compatible Treatment of Breast Cancer Patients – The Status Quo in Schleswig-Holstein: In Reply

Dtsch Arztebl 2008; 105(44): 768; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0768

Waldmann, Annika

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LNSLNS In der OVIS-Studie wurden auf bevölkerungsbezogener Basis 1 927 Brustkrebspatientinnen aus Schleswig-Holstein mittels eines Fragebogens zu ihrer medizinischen Versorgung mit Schwerpunkt Diagnostik und Therapie befragt. Als Nebenaspekt wurden in der Erst- und Zweitbefragung – etwa 1,5 und 3,5 Jahre nach Diagnosestellung – auch die Bereiche soziale Unterstützung und psychoonkologische Maßnahmen berücksichtigt.

Unserer Ergebnisse für diese Bereiche stimmen mit den von Frau Dr. Schumann geschilderten Erfahrungen aus der Praxis gut überein: Nur knapp 20 % der Patientinnen nahmen psychologische beziehungsweise psychotherapeutische Hilfe im Umgang mit ihrer Erkrankung wahr. Neben der professionellen psychoonkologischen Hilfe wurden die Patientinnen auch zu „niederschwelligen Angeboten“ (z. B. regionale Krebsberatungsstellen, Selbsthilfegruppen) gefragt. Eine Kenntnis von Selbsthilfegruppen wurden von 36 % und eine Mitgliedschaft von 6 % der Patientinnen angegeben. Krebsberatungsstellen waren immerhin der Hälfte bekannt. Hinsichtlich verbesserungswürdiger Bereiche in der Versorgung von Krebspatienten bezeichnen 36 % den Bereich „Psychologische Betreuung“ als optimierungswürdig (unveröffentlichte Ergebnisse).

Trotzdem gaben die Patientinnen 1,5 beziehungsweise 3,5 Jahre nach Diagnose eine hohe Lebensqualität an. Die globale Einstufung der Lebensqualität lag sogar auf einem klinisch relevant höheren Niveau als in der vergleichbaren Allgemeinbevölkerung. Allerdings schilderten Mammakarzinompatientinnen Einschränkungen in den Bereichen Rollenfunktionen sowie emotionale und soziale Funktionen. Auch Symptome wie Fatigue, Dyspnoe und Schlaflosigkeit wurden sowohl 1,5 als auch 3,5 Jahre nach Diagnosestellung häufiger von den Krebspatientinnen berichtet (1).

Den klinischen Hinweisen von Herrn Dr. Stadler zur strahlentherapeutischen Versorgung des Mammakarzinoms ist nichts hinzuzufügen. Die beschriebenen komplexen klinischen Zusammenhänge und Sachverhalte sind für Patienten nicht immer leicht nachzuvollziehen. Patientenbefragungen können bei solchen Sachverhalten an ihre Grenzen stoßen. Somit scheint eine Überschätzung der Rate „Bestrahlung nach Axilladissektion“ bei alleiniger Patientinnenbefragung durchaus möglich. Anderseits konnte für ein Teilkollektiv der Patientinnen eine Befragung der behandelnden Ärzte realisiert werden, in welcher die betreuenden Ärzte für rund 30 % der Frauen mit Axialladissektion eine Radiatio der Axilla beziehungsweise der parasternalen Lymphabflusswege angaben.

Ein solches Ergebnis sollte daher zum Anlass genommen werden, in der Praxis genauer hinzuschauen (vergleiche Originalpublikation: „[…] sollte der Indikator ,Strahlentherapie nach Axilladissektion‘ überprüft werden […]“). Eine Fehlversorgung im beschriebenen Ausmaß erscheint uns zwar als unwahrscheinlich, ist aber nicht gänzlich ausgeschlossen.

Unsere Arbeit hat nicht den Anspruch einer abschließenden, sondern vielmehr den einer orientierenden Bewertung der onkologischen Versorgung. Nach unserer Auffassung stellen Patientenbefragungen effektive Verfahren zur Evaluation der onkologischen Versorgung dar, zumindest solange in Deutschland keine flächendeckende und sektorübergreifende klinische Krebsregistrierung realisiert ist.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0768


Dr. rer. nat. Annika Waldmann
Beckergrube 43–47
23552 Lübeck
E-Mail: Annika.Waldmann@krebsregister-sh.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committe of Medical Journal Editors besteht.
1.
Waldmann A, Pritzkuleit R, Bartel C, Raspe H, Katalinic A: The OVIS-study: Health related quality of life measured by the EORTC QLQ-C30 and -BR23 in female patients with breast cancer from Schleswig-Holstein. Qual Life Res 2007; 16: 767–76. MEDLINE
1. Waldmann A, Pritzkuleit R, Bartel C, Raspe H, Katalinic A: The OVIS-study: Health related quality of life measured by the EORTC QLQ-C30 and -BR23 in female patients with breast cancer from Schleswig-Holstein. Qual Life Res 2007; 16: 767–76. MEDLINE

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