ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2008Neue Generation von Parkinson-Hirnschrittmachern

AKTUELL: Akut

Neue Generation von Parkinson-Hirnschrittmachern

Dtsch Arztebl 2008; 105(45): A-2354 / B-2010 / C-1958

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS An der Universitätsklinik zu Köln ist erstmals ein Hirnschrittmacher implantiert worden, der zu einer neuen Generation von Geräten gehört: Anstatt einer Elektrode werden zwei eingepflanzt, die unabhängig voneinander auf die optimale Impulsqualität eingestellt werden können. „Wir hoffen, durch die Stimulation in zwei Zielgebieten effektiver als bisher die Bandbreite der Hauptsymptome, also Rigor, Tremor und Hypokinesien, verringern zu können“, sagte der Neurologe Prof. Dr. med. Lars Timmermann gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Bei der Stimulation in einer Hirnregion – oft im Thalamus, Nucleus subthalamicus oder Pallidum – bessern sich meist nur ein oder zwei Hauptsymtome in der Körperhälfte, die der operierten Hirnhälfte gegenüberliegt.

Der erste Patient, dem der Neurochirurg Priv.-Doz. Dr. med. Mohammad Maaruf aus dem Team um Prof. Dr. med. Volker Sturm das Gerät der Firma Medtronic implantiert hat, ist 49 Jahre alt. Die erwünschten Wirkungen der Antiparkinsonmittel hatten nachgelassen, er hatte einen ausgeprägten Tremor, Muskelsteifigkeit und eine Hypokinesie mit Gangstörungen, aber keine Hyperkinesie.

Funktionsprüfung bei der Operation
Zielgebiet der Stimulation waren der Nucleus subthalamicus und der Thalamus. Während des Eingriffs erfolgte die Feinjustierung der Elektroden durch Funktionsprüfungen beim Patienten: Die Implantation eines Kontakts im N. subthalamicus hatte gute Effekte auf Rigor und Hypokinese. Einen zweiten Kontakt platzierten die Ärzte im ventrolateralen Thalamus (im Nucleus ventrooralis posterior, V.o.p.) etwa 6,5 Millimeter vom ersten entfernt. Die Stimulation über diese Elektrode milderte deutlich die Tremorsymptome, berichtete Timmermann. Die Feineinstellung soll in circa drei Monaten abgeschlossen sein. Dann wird sich zeigen, ob sich die Symptomatik längerfristig so verbessert, wie sich Ärzte und Patient dies wünschen.

Ein Vorteil beim Impulsgeber des neuen Geräts: Er wird nicht mehr batteriebetrieben, sondern hat einen wiederaufladbaren Akku, sodass er neun Jahre halten soll. Die Batterien der bisherigen Geräten halten, je nach Stromverbrauch, drei bis fünf Jahre. Dann muss der Impulsgeber ausgetauscht werden, was bei jedem fünften Patienten zu Komplikationen führt, wie Stürzen oder Pneumonien infolge von Immobilität. Die Zeitspanne bis zum Austausch des Geräts soll jetzt deutlich länger werden. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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